Category Archives: Berichte

Die Meistersinger von Nürnberg (Premiere) / Berlin (3./4.10.2015)

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“Vielleicht sing sie ja das Evchen ?”
Nein, Deborah Polaski, die im Rang des Schillertheaters bei der Meistersinger-Premiere gesichtet wurde, sang nicht das Evchen. (Das sang mit etwas kleinem, aber feinen Sopran Julia Kleitner.) Dabei war diese Überlegung keinesfalls abwegig, hatte man doch das who is who der echten Meistersinger aufbieten können: Siegfried Jerusalem (Balthasar Zorn), Reiner Goldberg (Ulrich Eislinger), Graham Clark (Junge, Junge, war der ein präsenter Kunz Vogelgesang !) und sogar den 91-jährigen Franz Mazura als urkomisch-grummeligen Hans Schwarz (sein ewig lang gehaltenes “Verstand man recht?” bei Beckmessers Preislied war köstlich). Read More

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Don Giovanni / Schwetzingen (27.9.2015)

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Bei bestem Kaiserwetter konnte man am Sonntag ein keineswegs preisgünstiges, aber dennoch lohnenswertes Gastspiel des Saarländischen Staatstheaters im kleinen Schwetzinger Schlosstheater erleben. Eine Bewertung der Produktion (Regie: Dagmar Schlingmann) fällt schwer, da die Inszenierung für das deutlich größere Haus ausgelegt  scheint und so manches auf der Bühne improvisiert wirkt. Dass das der Freude an der “Oper aller Opern” (E.T.A Hoffmann) keinen Abbruch tat, lag zum einen an der romantisch angehauchten Interpretation aus dem Orchestergraben. Eigentlich nicht so mein Ding, ich bevorzuge in der Regel zackige Mozartdirigate. Nicholas Milton und sein Orchester sind jedenfalls schon eine andere Hausnummer als die Heidelberger Philharmoniker, die ja auch regelmäßig vor Ort zu hören sind.

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Der Zwerg + Gianni Schicchi (Premiere) / Mainz (19.9.2015)

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Zeitgleich mit Kaiserslautern gab es in Mainz die Premiere eines meiner absoluten Lieblingsopern – Zemlinskys “Zwerg”; im Gegensatz zu Kaiserslautern (dort mit “Herzog Blaubarts Burg gekoppelt) allerdings in der etwas merkwürdigen Kombination mit “Gianni Schicchi”. Mir erschloss sich diese Paarung bis zum Ende nicht und die Wahl gleich zweier Regisseure trug nicht zum Eindruck bei, dass hier in einem dramaturgischen Bogen geplant wurde. Das soll aber keinesfalls heißen, dass der Abend verschenkt gewesen wäre. Ganz im Gegenteil.

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Le nozze di Figaro / Heidelberg (18.9.2015)

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Einen schmissigen Auftakt in die neue Spielzeit gab es am Theater Heidelberg – und einen erneutes Argument für gepflegte und gelebte Ensemblekultur.

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Il Germanico / Innsbruck (16.8.2015)

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Ein Riss geht durch die Familie des germanischen Fürsten Segeste. Dieser hat sich fünf Jahre nach der gewonnenen Varusschlacht, die römische Übermacht und Dominanz allerdings antizipierend, mit dem römischen Feldherren Germanico verbündet. Die eine Tochter (Ersinda) ist dem römischen Soldaten Cecina zugetan, die andere (Rosmonda) mit dem einst siegreichen, nunmehr aber unterlegenen Armino (Hermann) verheiratet.

In den letzten Jahren wurde in zahlreichen Musikarchiven gebuddelt und teilweise Erstaunliches zu Tage gefördert. Kurioserweise hat einer der damals führenden Komponisten des Spätbarocks, Nicolo Porpora, immer noch wenig Bekanntheit. Der Dirigent und Intendant der Innsbrucker Alte-Musik-Festivalindendant Alessandro De Marchi hat mit “Il Germanico” vielleicht keinen Volltreffer gelandet – man denke an die Vinci-Renaissance – aber immerhin einen lohnenswerten Beitrag für die Barockwelt geleistet. Read More

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Tristan und Isolde / Bayreuth (13.8.2015)

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Seit geschlagenen fünf Minuten sitze ich vor dem leeren Textfeld und weiß nicht, wie ich beginnen soll. Deswegen ohne Umschweife: so sehr war ich selten enttäuscht von einer Aufführung. Und der Grund hierfür hat einen Namen – Evelyn Herlitzius. Ich möchte vorab sagen, dass ich Frau Herlitzius als Elektra und als Färberin ganz, ganz fantastisch fand und im Gegensatz zu manchem Wagner-Bekannten das Einspringen für Kampe für Westbroek durchaus nicht im Voraus negativ gewertet hatte. Vielleicht war das ja der Fehler…..?   Read More

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Turandot / Bregenz (11.8.2015)

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Nach dem – nur in betriebswirtschaftlicher Hinsicht – desaströsen “Andrea Chenier” musste in den letzten beiden Jahren von David Poutney die “Zauberflöte” zum Aufpolieren der Bilanzen herhalten. Die neue Intendantin Elisabeth Sobotka geht in ihrem ersten Jahr ebenfalls kein Risiko ein und verweigert mit “Hoffmanns Erzählungen” im Festspielhaus auch nur den Anschein eines Spielplans mit Anspruch. (Fürs Protokoll: Es gibt als Gastspiel der Oper Frankfurt den “Goldenen Drachen” von Peter Eötvös in der Werkstattbühne.) Dass eine Freilicht-“Turandot” auf dem See aber so (selbst-)gefällig in Szene gesetzt werden muss, das war dann doch eine Art Kapitulation vor dem Opernmob. Read More

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Der fliegende Holländer / Bayreuth (8.8.2015)

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Dieser “Holländer” begann verdammt vielversprechend – mit einer fetzigen, fehlerfreien Ouvertüre. Und das, wo der Graben weiß Gott kein Gewinn für diese Partitur darstellt. Beim Verlassen des Gebäudes hörte ich einen Besucher sagen, das Dirigat habe ihm besser als das von Thielemann gefallen. Kann ich sogar verstehen. Auch im Laufe des Abends bleibt das orchestrale Niveau (Axel Kober) hoch, auch wenn es ein, zwei mal bei der Koordination mit dem Chor wackelt. Und dann wären wir schon beim zweiten Pluspunkt der gestrigen Aufführung. Ich weiß, den Bayreuther Chor zu loben, ist eigentlich überflüssig. Aber das war wie so oft, eigentlich wie immer, vom Allerfeinsten. Allein das “hui” des Gespensterchores im dritten Akt – wie oft hört man einfach nur ein Forte. Nicht jedoch hier – allein wie auf diesem einen Ton die ganze dynamische Palette abgedeckt wird, das ist einfach der Wahnsinn. Read More

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Hoffmanns Erzählungen / Bregenz (6.8.2015)

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So leid es mir tut, auch in der mittlerweile vierten Inszenierung konnte ich keinen Zugang zu diesem Werk finden – dabei kann ich Offenbach einiges abgewinnen. Somit möchte ich der Regie von Stefan Herheim keineswegs die Schuld in die Schuhe scheiben, dass mich der Abend weitestgehend kalt gelassen hat – einzig nach der Pause, im Antonia-Akt, erlebt man psychologisch packendes Theater. Zuvor meint man fast, Barrie Kosky von der Komischen Oper Berlin hätte Regie geführt – so trashig-schwul wirken manche Passagen auf der riesigen, drehbaren und wandelbaren Showtreppe. Auch dem Dirigat (Johannes Debus) fehlt es bei den  für Offenbach so typischen Couplets an Spritzigkeit – beim großen Drama im Antonia-Akt kochen dann große Emotionen aus dem Graben hoch. Read More

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Die Eroberung von Mexiko / Salzburg (4.8.2015)

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Wabernder (Trockeneis-)Nebel und die im Zuschauerraum der Felsenreitschule verteilten Trommelspieler verbreiten schon vor Beginn der Rihm-Oper Dschungel-Feeling. Viel mehr Mexiko wird es dann – von einer Runde Tequila und dem Frida Kahlo-Gemälde einmal abgesehen- im Laufe der  nächsten zweieinhalb Stunden auf der Bühne auch nicht geben. Dort findet sich vielmehr ein Macchu Pichu der Moderne, bestehend aus einem Autofriedhof, auf dem ein sehr bürgerliches IKEA-Wohnzimmer steht. Aufgrund der Konstruktion der Stimmfächer – der Aztekenherrscher Montezuma wird von einer Frau gesungen – und dem stets wiederholten “Männlich, weibliche, neutral” ist es nahe liegend, keine 1:1-Bebilderung der Eroberung Mexikos durch Cortez zu erwarten. Altmeister Peter Konwitschny zeigt vielmehr den Gegensatz, die Unvereinbarkeit der Geschlechter. Er schreckt dabei weder vor drastischen noch komischen Momenten zurück. Auch Klischees werden bedient. Worin besteht nun die Qualität seiner Inszenierung ? Nun, in meinen Augen durch zwei Stärken:
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