Category Archives: Berichte

Wesendonck-Lieder und Herzog Blaubarts Burg / Montpellier (10.5.2015)

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Einakter teilen häufig das Schicksal, mit einem anderen gekoppelt werden zu müssen. Die Bartok-Oper macht hier keine Ausnahme. In Montpellier entschloss man sich nun dazu, eine szenische Darbietung der Wesendonck-Lieder vorzuschieben. Dies funktioniert aber nur begrenzt, weil die szenische Umsetzung wenig Sinn ergab (Angela Denoke läuft über die Bühne auf und ab, mal liegt sie, mal wedelt sie mit den Armen) und es ihr an genuiner Dramatik mangelt. Das zahlreich erschienene Rentnerpublikum mit seinen vielfältigen HNO-Krankheiten machte eine musikalische Bewertung des Gezeigten doppelt schwer. Nach einer Pause, die länger als der erste Teil dauerte, dann Blaubarts Burg. Diese Inszenierung ist der beste Beleg dafür, wie viel man mit wenig offenkundigen Aufwand erreichen kann – die Bühne (Jean-Paul Scarpitta) ist bis auf die sieben Türen leer, nur brillante Lichtwechsel (Urs Schönebaum) sorgen für einen nie abreißenden Spannungsbogen. Die Charakterisierung durch den Regisseur (ebenfalls Jean-Paul Scarpitta) ist im besten Sinne traditionell, aber sehr intensiv. (Einen guten Einblick gibt der Teaser.) Am besten ist dies an Jukka Rasilainen zu beobachten, den ich als eher drögen Kurwenal und Telramund in Erinnerung hatte, hier aber einen eiskalten Blaubart zeigte. Es gibt sicher Sänger mit mehr Stimmfarben, aber angesichts dieser Gesamtleistung ist dies mehr als zu verschmerzen. Angela Denoke legte nach der Küsterin  in diesem Jahr bereits ihr zweites Rollendebüt vor und zeigte sich von ihrer guten, obgleich nicht allerbesten Seite. Irgendwo habe ich über Denoke gelesen, sie sei ein “fauler Sopran”, was sich auch hier bewies, wenn sie Höhe und Lautstärke kombinieren musste. Das hohe c bei der fünften Tür war da, aber eben auch nicht mehr. Die Mittellage flutet aber weich und wunderschön, wie ich es von ihr gewohnt bin.  Das Orchester spielte sehr imposant unter der Leitung von Pavel Baleff – so imposant, dass nach der Generalpause nach Öffnung der fünften Türe zweimal Szenenapplaus ausbrach. Dies mag einerseits völliger Ahnungslosigkeit geschuldet sein, vielleicht  auch mediterraner Begeisterung. Letztere war in jedem Falle angebracht.

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Die Meistersinger von Nürnberg / Mainz (26.4.2015)

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Foto: Martina Apprich

Foto: Martina Apprich

Diese Meistersinger haben Klasse ! Das liegt sicher auch an der Inszenierung von Ronny Jakubaschk, der sich dem Werk vor allem an Anfang sehr humorvoll nähert. Die Bühne und die Kostüme sind dabei eine kuriose Mischung aus Achtzigern und Sci-Fi. GMD Hermann Bäumer hält – was für ein solches Mammutwerk an einem doch nicht besonders großen Haus keine Kleinigkeit darstellt – den Laden gut zusammen, auch bei der heiklen Pügelfuge am Ende des zweiten Aktes. Viele Passagen werden fein, so anmutig musiziert, dass man vereinzelte Blechbläseraussetzer verzeihen kann, ja sogar muss. Die Chöre klingen auch nicht schlechter als an wagnererprobteren Musentempeln. Überhaut ist dieser Abend das beste Argument für das Ensembletheater. Vida Mikneviciute (Eva), Michael Pegher (David) Heikki Kilpeläinen (Beckmesser) geben vielversprechende Rollendebüts, selbst Hans-Otto Weiß (Pogner) fällt nicht negativ auf. Richtig klasse wie eigentlich immer Alexander Spemann als Walther (warum singt der nicht an viel mehr Häusern ?) und herausragend, mit nie versiegender Kraft, präziser Aussprache, verinnerlichtem Rollenverständnis Derrick Ballard als Hans Sachs. Wagnerherz, was willst du mehr ?

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Euryanthe / Frankfurt (25.4.2015)

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Ich liebe Euyranthe. Ja, ich weiß, welche Einwände jetzt gleich kommen. Saublödes Libretto. Schwache Dramaturgie. Ich weiß. Mir egal. Read More

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Götterdämmerung / München (2.4.2015)

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Zu Beginn des zweiten Aktes wagte ein Einzelner das Sakrileg – und buhte als der GMD den Orchestergrabens betrat. Lag es daran, dass Petrenko bisher zu laut dirigiert hatte ? In jedem Fall konnte sich kaum jener Orchesterzauber einstellen, den man noch vor anderthalb Jahren in Bayreuth genießen und auch bestaunen konnte. Die Tempi waren erneut zügig, aber raffiniert klingt dann doch anders. Und Dirigent des Jahres ebenso. Read More

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Parsifal / Karlsruhe (29.3.2015)

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Das Problem bei dieser Inszenierung ist – das sei vorweg gesagt – die Regie von Keith Warner: sie verweigert sich irgendeiner Deutung. Und flüchtet daher in einen blinden Aktionismus – die Bühne dreht sich und dreht sich. Unentwegt.

Der Regisseur sagt im Programmheft lauter interessante Sachen, die Allgemeinplätze sind. Und von all den Dingen sieht man auf der Bühne herzlich wenig – angefangen beim angeblichen “schwarz-weiß”. Der Matroschka-Gral war grenzwertig und der Schwanflügel erzeugte durchaus Heiterkeit in meinem Sitzumfeld. Mitleid – ein Kernaspekt dieses Werkes – wird hier völlig ausgeblendet. Hauptsache ein “schöner” Schwanflügel. Optik sticht Sinnhaftigkeit. Alle drei Akte beginne dabei durchaus interessant und besitzen narrative Dichte – der zweite beginnt sogar packend. Aber innerhalb einer Viertelstunde geht der Regie regelmäßig die Puste aus und die Bühnenmaschinerie kommt zum Einsatz. Ich habe noch nie – und dies ist meine dreizehnte “Parsifal”-Produktion – eine derart statische Liebesszene im zweiten Akt gesehen. Aus psychatrischer Sicht könnte man fast Autismus beim Regisseur ferndiagnostizieren.

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Tristan und Isolde / Strasbourg (21.3.2015)

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Der samstägliche Tristan in Strasbourg erbrachte für mich gleich dreieinhalb Überraschungen: Read More

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Berenike / Stuttgart (15.2.2015)

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Nachdem das Theater Heidelberg mit “Fetonte” noch rechtzeitig im Jubiläumsjahr vorgeprescht war, zog das Staatstheater Stuttgart nun mit Niccolò Jommelli “Berenike” nach. Ein spannender Komponist, von dem man generell gerne mehr hören würde. Vom musikalischen Material her hat mich “Fetonte” mehr angesprochen, aber das will nichts besagen – ich habe einfach ein Faible für halsbrecherische Koloraturarien mit Blech. Davon gab es gestern weniger zu hören, aber es hatte trotz der Verortung in der “Frühklassik” nichts von dem manchmal blutleeren Klang, wie ich zum Beispiel einen Gluck häufig erlebe. Was den Genuss des Abends (und die Konzentration erst recht) etwas schmälert, ist die Pausenkonzeption. Eine einzige Pause bei drei Stunden reinen Spielzeit, und die erst nach 1:45h, das ist der Bogen doch ein wenig überdehnt. Vielleicht blieben auch deshalb ein paar wenige Plätze nach der Pause frei….?

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Die tote Stadt / Freiburg (8.2.2015)

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Nach der “Orontea” am Freitag wusste ich, das diese “Tote Stadt” nur besser werden konnte. Und das war sie auch – unabhängig vom Freitag.
Die Regie (Florentine Klepper) hat im ersten und zweiten Bild schöne Momente, warum sich Paul im dritten Akt in den Teppich einwickelt, habe ich nicht so ganz verstanden. Aber das Morbide, dieses Psychopathologische wurde gut herausgearbeitet.
Das Dirigat von Johannes Knapp war zwiespältig: einerseits erzeugt das Orchester unter seinen Leitung einen bombastischen Hollywood-Sound, andererseits hat die Betonung des Symphonischen und das extreme Auskosten mancher Phrasen zu einer phasenweisen Überdehnung geführt, welche die Sänger der beiden Hauptpartien mehr als einmal in die Bredouille geführt. Da hätte man doch etwas mehr kapellmeisterliche Umsicht erwarten können. Read More

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Orontea / Frankfurt (6.2.2015)

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Hätte ich geahnt, worauf ich mich da einlassen würde – ich wäre der Oper Frankfurt fern geblieben. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals einer derart langweiligen, bleischweren Aufführung beigewohnt zu haben. Leider vermag ich nicht zu sagen, ob das an der Regie oder dem Stück selber lag. Klar, es ist frühbarocke Klampfenmusik, aber so was Zähes ist mir auch aus dieser Epoche nicht untergekommen. Read More

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Salome / Mannheim (4.2.2015)

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Das war gestern eine etwas holprige “Salome” – man sollte dieses Werk vielleicht doch nicht derart isoliert im Spielplan platzieren. Dann könnte sich der Dirigent (Alois Seidlmeier) auch etwas zurückhaltender dirigieren. Juhan Trallas Tenor ist deutlich heldischer geworden seitdem ich ihn zum letzten Mal hörte (Werther). Wenn er jetzt etwas weniger ubeholfen spielen könnte, wäre das ein toller Narraboth. Eine grandiose Leistung gab es von Edna Prochnik als Herodias, ihr Gatte (Scott MacAllister) war stimmlich souverän, jedoch ohne dabei die Gefährlichkeit dieses Charakters zu vermitteln. Thomas Berau ist ein balsamischer Jochanaan. Dass diese banale Inszenierung von Frau Rech ihn derart im Regen stehen lässt, dafür kann er ja nichts. Read More

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