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Der fliegende Holländer / Bayreuth (8.8.2015)

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Dieser “Holländer” begann verdammt vielversprechend – mit einer fetzigen, fehlerfreien Ouvertüre. Und das, wo der Graben weiß Gott kein Gewinn für diese Partitur darstellt. Beim Verlassen des Gebäudes hörte ich einen Besucher sagen, das Dirigat habe ihm besser als das von Thielemann gefallen. Kann ich sogar verstehen. Auch im Laufe des Abends bleibt das orchestrale Niveau (Axel Kober) hoch, auch wenn es ein, zwei mal bei der Koordination mit dem Chor wackelt. Und dann wären wir schon beim zweiten Pluspunkt der gestrigen Aufführung. Ich weiß, den Bayreuther Chor zu loben, ist eigentlich überflüssig. Aber das war wie so oft, eigentlich wie immer, vom Allerfeinsten. Allein das “hui” des Gespensterchores im dritten Akt – wie oft hört man einfach nur ein Forte. Nicht jedoch hier – allein wie auf diesem einen Ton die ganze dynamische Palette abgedeckt wird, das ist einfach der Wahnsinn. Read More

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Hoffmanns Erzählungen / Bregenz (6.8.2015)

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So leid es mir tut, auch in der mittlerweile vierten Inszenierung konnte ich keinen Zugang zu diesem Werk finden – dabei kann ich Offenbach einiges abgewinnen. Somit möchte ich der Regie von Stefan Herheim keineswegs die Schuld in die Schuhe scheiben, dass mich der Abend weitestgehend kalt gelassen hat – einzig nach der Pause, im Antonia-Akt, erlebt man psychologisch packendes Theater. Zuvor meint man fast, Barrie Kosky von der Komischen Oper Berlin hätte Regie geführt – so trashig-schwul wirken manche Passagen auf der riesigen, drehbaren und wandelbaren Showtreppe. Auch dem Dirigat (Johannes Debus) fehlt es bei den  für Offenbach so typischen Couplets an Spritzigkeit – beim großen Drama im Antonia-Akt kochen dann große Emotionen aus dem Graben hoch. Read More

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Die Eroberung von Mexiko / Salzburg (4.8.2015)

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Wabernder (Trockeneis-)Nebel und die im Zuschauerraum der Felsenreitschule verteilten Trommelspieler verbreiten schon vor Beginn der Rihm-Oper Dschungel-Feeling. Viel mehr Mexiko wird es dann – von einer Runde Tequila und dem Frida Kahlo-Gemälde einmal abgesehen- im Laufe der  nächsten zweieinhalb Stunden auf der Bühne auch nicht geben. Dort findet sich vielmehr ein Macchu Pichu der Moderne, bestehend aus einem Autofriedhof, auf dem ein sehr bürgerliches IKEA-Wohnzimmer steht. Aufgrund der Konstruktion der Stimmfächer – der Aztekenherrscher Montezuma wird von einer Frau gesungen – und dem stets wiederholten “Männlich, weibliche, neutral” ist es nahe liegend, keine 1:1-Bebilderung der Eroberung Mexikos durch Cortez zu erwarten. Altmeister Peter Konwitschny zeigt vielmehr den Gegensatz, die Unvereinbarkeit der Geschlechter. Er schreckt dabei weder vor drastischen noch komischen Momenten zurück. Auch Klischees werden bedient. Worin besteht nun die Qualität seiner Inszenierung ? Nun, in meinen Augen durch zwei Stärken:
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Norma / Salzburg (3.8.2015)

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Gibt es sie überhaupt – die Norma ? Freilich – die Callas. Aber so brillant, so theatralisch sie war – mit den ursprünglichen Noten hat das nicht unbedingt viel zu tun. Zu dieser Erkenntnis sind auch schon andere Leute vor Cecilia Bartoli gelangt, allerdings dürfte ihre Umsetzung die wohl am meisten unorthodoxe Interpretation sein, die man jemals zu Gehör bekam. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei Annahmen:

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Macbeth / Heidenheim (1.8.2015)

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So richtig traurig war ich nicht, dass die Dernière des “Macbeth” witterungsbedingt nicht im Rittersaal des Schlosses Hellenstein, sondern indoor, also im direkt angeschlossenen Congress Centrum stattfand. Die Opernfestspiele Heidenheim haben es schon längst nicht mehr nötig, das zahlreich erscheinende Publikum durch eine pittoreske Außenkulisse auf die Ostalb zu locken. Es ist die musikalische Qualität, welche die Anreise lohnt – und die entfaltet sich naturgemäß besser im geschlossenen Raum. So konnte man von Marcus Bosch erneut ein Dirigat von sinfonischer Qualität vernehmen – und die Stuttgarter Philharmoniker haben daran einen erheblichen Anteil. So sauber, astrein habe ich einen “Macbeth” noch nie gehört. Klanglich eigentlich auch fast zu schön, aber bestens präpariert der Chor aus Brünn. Hermann Schneiders Regie erzählt die Geschichte ohne Aufhebens, gelingt aber das Kunststück, die Hexenszenen einmal nicht peinlich wirken zu lassen. Das eingeschobene Ballett war dennoch überflüssig.

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Manon Lescaut / München (31.7.2015)

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So, zum Saisonabschluss hat die Bayerische Staatsoper noch einmal alle Reserven mobilisiert und die Neuenfels’sche “Manon Lescaut” aufgeboten. So richtig begeistern konnte mich der Abend allerdings nicht, ohne dass ich enttäuscht wäre. Eher ratlos ließ mich die Inszenierung zurück – gerade beim Verismo bin ich für eine naturalistisch angehauchte Inszenierung dankbar, vieles verpufft sonst. Dabei braucht es nicht einmal einen großen Bühnenzirkus, aber gerade der erste Akt ergab für mich jedenfalls keinen Sinn. Am Ende dann hingegen großes Kino in der Wüste – mehr als eine leere Bühne braucht man nicht. Und – zugegeben – zwei gute Darsteller. (Fürs Protokoll: Markus Eiches Lescaut war vorbildlich, Roland Brachts Geronte unterirdisch, Dean Power hat sich nach diesem Edmondo und dem Elemer mal einen Tamino verdient.) Sowohl Jonas Kaufmann als auch Kristine Opolais sind diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben. Stimmlich hingegen ist jedoch das Engagement letzterer für mich nur schwer verständlich. Freilich, eigentlich hätte la Netrebko singen sollen. Dennoch, die Stimme Opolais’ ist schlicht zu klein. In den ruhigen, lyrischen Stellen klingt das alles sehr apart, zugegeben. Aber sobald sie die Stimme aufmachen muss, und das ist zum Erreichen des Puccini’schen Klangzaubers eine conditio sine qua non, dann wird sie dünn, leicht schrill und entbehrt jeglicher Klangschönheit. Deutlich besser der nominelle Star des Abends, Jonas Kaufmann. Read More

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Rossini-Festival / Bad Wildbad (22., 25. und 26. Juli 2015)

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Es ist mittlerweile Tradition für mich geworden, das Schuljahresende mit dem Rossini-Festival in Bad Wildbad einzuläuten – einem Kurort, der seine besten Zeiten vielleicht nie gesehen hat. Die FAZ (glaube ich) hat das Festival einmal als “deutsches Pesaro” bezeichnet. Obwohl ich noch nie dort war, bilde ich mir ein zu glauben, dass man hier im Schwarzwald, wo Rossini 1856 einst kurte, ein beachtliches Niveau vorlegt, das sich hörbar von anderen Theatern abhebt. Dass der Unterscheid in erster Linie hörbar und eben nicht sehbar ist, liegt in erster Linie an den baulichen Gegebenheiten: das kleine Kurtheater – überhaupt erst seit letztem Jahr wieder renoviert – eignet sich eigentlich nur für Kammeroper  und die Trinkhalle – der Name sagt es – wurde bestimmt nicht nach akustischen Anforderungen hin konzipiert. Insofern muss man sich mit der furztrockenen Akustik eben arrangieren. Hörbar bleibt der besagte Unterscheid in qualitativer Hinsicht, da hier wirkliche Experten am Werke sind. Die Virtuosi Brunenses sind eben keine – man verzeihe mir den Ausdruck – osteuropäische Schrammelgruppe, wie man sie bei Tourneeproduktionen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken erdulden muss, sondern erfahrene Meister ihres Metiers. Da können viele, nominell und pekuniär besser gestellte Repertoireorchester nicht mithalten.

Am Donnerstag gab es für mich die persönliche Eröffnung mit “L’italiana in Algeri”. José Miguel Pérez-Sierra dirigierte mit Lust und Witz, Primo Antonio Petri setzte die Handlung halbszenisch auf sehr gelungene Weise um. Die jungen Solisten waren von Raúl Giménez bestens präpariert worden – allen voran der kernige Mustafa (Laurent Kubla), die koloratursichere Elvira (Sara Blanch) und die mit profundem  Alt vorgetragene Isabella von Ana Victoria Pitts. Mich persönlich sprach Gheorghe Vlad als Lindoro besonders an, obgleich seine Höhe im ersten Akt unsicher, etwas gepresst wirkte. Aber dieser nasale Klang, diese weiche Mittellage erzeugte bei mir Gänsehaut. Von dem möchte ich gerne mal Mozart hören. Zum Publikumsliebling mauserte sich jedoch Daniele Caputo als quirliger Haly.

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Pläne für den August 2015

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“Macbeth” in Heidenheim

“Norma” und “Die Eroberung von Mexiko” in Salzburg”

“Der fliegende Holländer” und “Tristan und Isolde” in Bayreuth

“Hoffmanns Erzählungen” und “Turandot” in Bregenz

“Germanico” in Innsbruck

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Siegfried / Nürnberg (19.7.2015)

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Ungewohnt viele Plätze blieben zum beinahe-Spielzeitende im Staatstheater Nürnberg leer. Dabei hatte dieser Abend unglaublich viele Qualitäten, die so manches Hochpreishaus neidisch machen dürfte. Am wenigsten ist dies die Regie von Georg Schmiedleitner, die sich im ersten Akt ziemlich frech, aber gut plagiierend aus der Stuttgart Inszenierung bedient. Im zweiten Akt irritiert, dass Alberich auf Wotan/Wanderer uriniert, was nun so gar nicht zur Dramaturgie passt. Aber auch hier solides Erzähltheater. Im dritten Akt pinkelt – der übrigens eher als fett kostümierte – Siegfried vor seinem ersten Einsatz an den Walkürenfelsen um dann später mit Brünnhilde nicht dem der Musik innewohnenden Eros zu erliegen, sondern auf der Couch vor dem Fernseher Flaschenbier zu trinken und Chips zu verköstigen. Warum nicht ?

Hätte das Orchester im dritten Akt nicht doch hörbar geschwächelt und die Solisten mehrere Schmisse zustande gebracht, dann hätte GMD Marcus Bosch auch dann noch vorführen können, was er bereits in den ersten beiden Akten zeigte – dass man Wagner wirklich saft- und kraftvoll dirigieren kann, ohne die Sänger zuzudecken. Es ist eine fast schon kindische Lust, ein Dirigat zu hören, das sich nicht als “intellektuell” oder “kammermusikalisch” bezeichnen lässt, sondern am besten noch als “intelligenter Kinosound mit Überwältigungscharakter”. Das können nicht viele, aber Marcus Bosch kann es. Und wie !

Auch stimmlich gab es – bis auf eine Ausnahme – keine Ausfälle. Read More

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Halka / Kaiserslautern (18.7.2015)

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Woran erkennt man, dass man sich im Pfalzbau in Kaiserslautern befindet ? Nun, zum einen an dem wohl unverschämtesten Publikum im süddeutschen Raum (und wenn noch so laut gesungen wird – dann spricht man eben auch lauter) und zum anderen an der Rarität, die höchstwahrscheinlich gezeigt wird. Vorgestern war es die polnische Nationaloper “Halka” – was bei mir schon im Vorfeld die Frage auslöste, woran es denn liegt, dass die “Verkaufte Braut” und der “Freischütz” bedeutend häufiger auf den Bühnen zu sehen sind. Nach der Aufführung war mir klar, was da für den internationalen Durchbruch fehlt – es mangelt zum Beispiel an einer speziellen Art des Humors (“Verkaufte Braut”) oder Abgründigem (“Freischütz”). Mit Ausnahme der polnischen Tänze könnte “Halka” zudem als früher Verdi (der ja auch nicht nur Meisterwerke ablieferte) durchgehen – aber auch die Geschichte selber über ein Bauernmädchen, das vom Gutsherren geschwängert und dann prompt sitzengelassen wird, ist nichts genuin Polnisches. (Oder etwa doch ?) Jedenfalls taugt das Ganze für einen soliden Einakter, aber nicht für knapp zwei Stunden, zumal sich die Charaktere wirklich null entwickeln. im zweiten Teil kommt dann endlich so etwas wie konkrete Gesellschaftskritik, aber auch nur kurz. Dann darf Halka erneut in einer langen Arie alle möglichen Vogelarten (Taube, Falke, Lerche,…..) larmoyant besingen.

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