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Falstaff / Karlsruhe (16.7.2015)

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“Gibt es jetzt eigentlich ein Gesetz, das es Theatern vorschreibt, Falstaff zu spielen ?” fragte mich im Scherz ein Kollege zum Ende der letzten Spielzeit. Kein Wunder, hatten doch Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe innerhalb eines Jahres den “Falstaff” neu ins Programm genommen. Nach einer havarierten “Boheme” und einem zähen “Parsifal” hat das Badische Staatstheater zum Ende einer auch hinter den Kulissen turbulenten Spielzeit einen Volltreffer gelandet. Gut so.

An Justin Browns Leidenschaft und Eignung für Verdi konnte erneut keine Sekunde gezweifelt werden. Mit welcher Spritzigkeit und gleichzeitiger Umsicht hier die tückischen Ensembles dirigiert werden, das muss man erst einmal nachmachen. Gleichfalls sehenswert die Regie von Jacopo Spirei, der die Handlung in ein heutiges Italien versetzt (was übrigens sehr gut funktioniert !) und ein Kuriositätenkabinett erster Güte auf die Bühne bringt. Hier ist wirklich jeder Charakter ein Individuum. Was dem Abend ein wenig den Schwung nimmt, das sind die Umbaupausen und vor allem eine dreiviertelstündige Pause. Da brauchte es eine unangenehm lange Weile, bis die Konzentration im Publikum wieder da war.

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Der ferne Klang / Mannheim (15.7.2015)

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Nach “Irrelohe” in Kaiserslautern zog nun auch Mannheim mit einem Werk Franz Schrekers nach. Schade, dass sich so wenig Leute ins Nationaltheater verirrten – die Aufführung hätte weiß Gott mehr Resonanz verdient gehabt. Dass ich mit der Aufführung selbst eher wenig anfangen konnte, dürfte weniger an Regisseurin Tatjana Gürbaca als dem Plot liegen. Dennoch: Gürbaca erzählt klar und nachvollziehbar, umschifft die der Handlung innewohnende Esoterik gekonnt.

Der Schreker in Kaiserslautern scheiterte in erster Linie an den stimmlichen Anforderungen – und die waren auch hier enorm. Mannheim hat aber den Luxus, die meisten Partien gleich zweimal aus dem eigenen Ensemble besetzen zu können. In der besuchten Vorstellung machte vor allem Cornelia Ptassek einen hervorragenden Eindruck. Die tieferen Lagen sind weiterhin ihr Schwachpunkt, da fehlt es zu arg an Durchschlagskraft.  Ihr Sopran blüht aber umso mehr auf, je höher die Noten liegen – eigentlich ein Wahnsinn. Und eine Leistung, die vom Publikum umjubelt wird. Ebenfalls bemerkenswert Michael Baba als Fritz – die Partie dürfte ähnlich kniffelig wie der Paul in “Die tote Stadt” sein. Babas Tenor kling nicht immer geschmeidig, besitzt aber einen angenehmen, authentisch-baritonalen  (also nicht künstlich abgedunkelten) Charakter. Juhan Tralla als Chevalier sowie Raymond Ayers als Graf machen mit ihren beiden Soli nachdrücklich auf sich aufmerksam und empfehlen sich auch für größere Partien.

Die größte Überraschung des Abends fand für mich jedoch im Graben statt. Ich hatte stets  meine liebe Not mit dem amtierenden Mannheimer GMD, aber was Ettinger da ablieferte, das nötigt Respekt und Anerkennung ab. Er schlägt jede Verlockung aus, den spätromantischen “Soundtrack” auf Kosten der Sänger darzubieten und schafft es gleichzeitig, dem konzentrierten Orchester einen feinen, geradezu ziselierten Klang zu entlocken.

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Lohengrin / Zürich (11.7.2015)

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Ein rundum beglückender “Lohengrin” – das hat man selten. In Zürich war man jedenfalls verdammt nah dran.

Das lag sicher am umsichtigen, dramatischen, aber nie dröhnenden Dirigat von Simone Young, der an diesem einen Abend wohl mehr Sympathie von Publikumsseite entgegen schlugen als  in einem Durchschnittsmonat  in Hamburg. Nichts gegen Kent Nagano, aber man wird Frau Young dort sicher noch vermissen…. Die Regie von Hausherr Andreas Homoki entstand in Zusammenarbeit mit der Wiener Staatsoper und lässt die Handlung in einer Art bayerischem Wirtshaus spielen. Das bringt keine neuen bahnbrechenden Erkenntnisse, zeigt aber den Druck, die Engstirnigkeit, mit der Elsa hadert und der sie am Ende auch selbst zum Opfer fällt, als sie nach dem Namen ihres Retters fragt. Interessant das bebilderte Vorspiel zum ersten Akt, in welchem das Verhältnis Friedrich-Elsa genauer beleuchtet wird.

An den stimmlichen Leistungen gemessen war dies vor allem ein Abend des “hellen”,  weniger des “dunklen” Paares. Letzteres liegt weniger an Martin Gantners (etwas zu) hellem, aber wortverständlichen Bariton, sondern an seiner Bühnengattin – der Ortrud  von Petra Lang. Deren “Sopran” ist in der Höhe mittlerweile erschreckend ausgedünnt und entfaltet längst nicht mehr den Furor von vor einigen Jahren. Die Mittellage indes klingt jaulend. Schlimmer ist nur noch ihr Auftreten, das sich am ehesten als männermordende dirndltragende Transvestitwirtin beschreiben lässt. Irgendwie peinlich-schräg.  Beim Budget ist dem Zürcher Opernhaus wohl auch das Budget zu Neige gegangen als man Michael Kraus als Heerrufer mit brüchiger Stimme engagierte, nicht jedoch beim König Heinrich, den Günther Groissböck auf sehr gelungene Weise interpretiert. (Laut offizieller Ansage vor dem Vorhang war er für den “erkrankten” Christof Fischesser eingesprungen – nur hatte der am Abend einen fulminanten Orest gesungen und war sein Abgang bereits Tage zuvor auf der Homepage des Opernhauses vermerkt worden.)

Nun aber zum “hellen Paar”, das in vollem Licht strahlte. Auch wenn sie weniger Applaus als ihr Bühnenpartner erhielt, war für mich Elza van den Heever als Elsa die Entdeckung des Abends. Ich hatte sie in dieser Rolle bereits vor ein paar Jahren ohne Wiedererkennungswert in Frankfurt gehört. Die zahlreichen Ausflüge ins Belcantofach (“Norma”) haben sich nun hörbar bezahlt gemacht. Butterweich die Tongebung, ein vorbildliches Legato und auch darstellerisch sehr überzeugend. Allein die Diktion ist etwas verwaschen. Und Vogt ? Nun, selbst wer Vogt nicht mag, kann nicht umhin zu konstatieren, dass da ein Sänger mit der Rolle (seines Lebens ?) gewachsen ist. Überirdisch schön, ätherisch ist die Tongebung immer noch – allerdings längst nicht mehr so “weiß” wie einst. Es mischen sich deutlich mehr Brusttöne in die Gestaltung, die diesen Lohengrin von seinem sakralen Sockel herunterholen und ihn auch zum Mann aus Fleisch und Blut machen. Seine Unart, Phrasen zu “veratmen”, vernimmt man immer noch, allerdings seltener und dies auch eher am Ende des Abends. Darstellerisch war Vogt trotz orthopädischer Schiene voll präsent und kann im zweiten und dritten Akt  dann auch bei Bedarf  richtig hart, verbissen klingen – um dann mit einer Gralserzählung abzuschließen, von der man noch in Jahren mit Freuden sagen darf: “Ich war dabei.”

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Elektra / Zürich (10.7.2015)

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Dirigat: Lothar Koenigs begnügt sich, die Partitur brav rauf- und runter zu deklinieren.

Regie: Martin Kusej lässt die Handlung um die moralisch fragwürdige Atridensippe passenderweise in einem sich nach hinten verengenden Raum mit zahlreichen Türen spielen – je nach Beleuchtung ähnelt die Bühne einem Swingerclub und einem Irrenhaus (am Ende). Dieser Übersexualisierung entziehen sich die drei Damen des Hauses auf unterschiedliche Weise. Die eine durch großbürgerliche Grandezza (Klytmämnestra), die andere durch stilisierte Jungfäulichkeit (Chrysothemis). Und die Titelfigur durch Asexualität. Ein gutes, gelungenes Konzept, auch wenn weniger mehr gewesen wäre. Sambatänzerinnen zum Schluss hat dieses Meisterwerk eigentlich nicht nötig.

Sänger: Michael Laurenzius macht aus der dreieinhalbminütigen Ägisth-Nummer einen kleinn Höhepunkt des Abends. Toll. Mein bisher bester Orest war Christof Fischesser mit vollem, runden, balsamischen Bass. Singt der schon den Gurnemanz und wenn ja, wo ? Enttäuschend Hanna Schwarz als Klytämnestra. Die grande dame hat immer noch eine überraschend intakte Stimme – allerdings intoniert sie häufig zu tief (okay, kommt vor). Dass sie aber darstellerisch nichts aus dem Text macht, das ist eher unverzeihlich. Die Tochter-Mutter-Szene war jedenfalls – und ganz ungewohnt – die schwächste des ganzen Abends. Passabel die Chrysothemis von Emily Magee. Die Höhe ist bemerkenswert stark, aber der nötige Silberklang für diese Partie fehlt dann doch. In der Mittellage hört sich die Stimme sehr matronenhaft an und in der Tiefe verfällt sie mehr als einmal in eine Art Deklamationsstil. Atemberaubend und mit Referenzcharakter die Elektra von Evelyn Herlitzius. Hundertprozentige Rollenidentifikation trifft auf plastische Textgestaltung. Klar, eine “schöne” Stimme hat sie nicht (wie z.B. Christine Goerke), aber eine schneidende, mit der sie jederzeit den Hass bestens kommunizieren kann. Auch in den lyrischeren Stellen kann sie sich gut präsentieren – allerdings bricht die Stimme in der Erkennungsszene mit Orest einmal, beim Schluss gleich zweimal. Wahrscheinlich (und hoffentlich !) ist dies nur der aktuellen Doppelbelastung (Bayreuth/Isolde) geschuldet.

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Pique Dame / Baden-Baden (9.7.2015)

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Es dürfte wenig geeignetere Städte für dieses Meisterwerk geben als Baden-Baden, und – vielleicht vom genius loci inspiriert – zeigte das Petersburger Mariinsky auf seiner alljährlichen Visite an der Oos das Drama um Spielsucht und Wahn auf musikalisch einprägsame Weise.

Valery Gergiev hatte daran großen Anteil. Er bevorzugte eher langsame Tempi, was die ungestrichene Partitur und zwei Pausen auf über vier Stunden lang dehnte. Aber angesichts des dunkel-düstren, brodelnden Orchesterklanges war da keine Minute zu viel. Zumal Gergiev es versteht, seine Sänger auf Händen bzw. auf den Noten zu tragen. Gäbe es ein russisches Äquivalent für Italianata  oder gibt es das ?), dann wäre er hier angebracht.

Ein interessanter Fall war der Hermann  von Mikhail Vekua – keine große Stimme, aber an den großen Stellen fast schon zu präsent mit relativ hellem Tenor. Klassisch besetzt hingegen die Lisa mit Irina Churilova als Einspringerin für Tatjana Serjan. Ihr gelingt es, die fordernde Partie im großen Festspielhaus immer lyrisch, nie schrill klingen zu lassen. Die junge Lyudmila Dudinova machte als Gräfin ihre Sache ordentlich, aber so etwas wie eine Aura besaß sie nicht. Alexei Markov zeigte als Jeletzki einen profunden Bariton alter russischer Schule und Roman Burdenko war ein ungewohnt heldischer Tomski – warum letzterer bei der Pastorale als Plutus szenisch derart bloßgestellt werden musste, ist mir ein Rätsel.

Überhaupt ist diese ganze Inszenierung von Alexei Stepanyuk ein Rätsel. Nämlich insofern als dass sich die Frage stellt, worin da genau die Regie bestand. Man ja gerne nach dem Motto verfahren “schön( kostümiert)e Menschen singen schöne Melodien” – aber da war in den kammerspielartigen Szenen teilweise derart viel Leerlauf, dass ich mich mehr als einmal an die erst neulich gehörte Carsen-Inszenierung in Strasbourg zurück sehnte.

Gleichwohl – da meine szenischen Erwartungen von Anfang an nicht besonders hoch  waren, ein allemal lohnender Abend.

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Iphigenie auf Tauris / Karlsruhe (5.7.2015)

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Ein überraschend positiver Opernnachmittag im erschreckend leeren Badischen Staatstheater war das gestern – und das lag sicher nicht nur an der angenehmen Klimatisierung. Nachdem ich sowohl “Il Matrimonio segreto” und die drei Martinu-Einakater in Frankfurt hitzebedingt gecancelt hatte, konnte ich mich wenigstens und überraschenderweise zum Gluck aufraffen. Überraschend deshalb, da ich mit Gluck eigentlich wenig anfangen kann. Woran auch immer es liegen mag. Das Experiment hat sich also gelohnt, was mehrere Gründe hat, allen voran die sehr choregraphisch anmutende Regie von Arila Siegert im schön anzusehenden Bühnenbild von Thilo Reuther und das spritzige Dirigat von Daniele Squeo, das in meinenOhren angenehmerweise so gar nicht nach zäher Reformoper klang.

Sängerisch überzeugten mich am meisten der Pylades (Jesus Garcia) mit hellem Tenor sowie der Orest von Andrew Finden. Beide gelang insofern die vokale Quadratur des Kreises, als dass einerseits flexible, gut fokussierte Stimmen zu hören waren, die aber andererseits eben nicht zu laut klangen. Letzteres traf eher wenig auf Katherine Tier in der Titelpartie zu – im Forte scheppert es da schon arg nach 19. Jahrhundert. Viele Piani klingen aber innig und berühren.

Das Einzige, was mich an diesem Nachmittag irgendwie ratlos zurück ließ, war der Einsatz einiger Asylbewerber aus dem Landkreis Karlsruhe als “Gestrandete” (Statisten). Irgendwie empfand und empfinde ich dies weiterhin als eine Art dramaturgischen Voyeurismus; ja – auch als eine Form der künstlerischen Ausbeutung der individuellen Schicksale. Braucht es denn wirklich den “Nervenkitzel”, echte Flüchtlinge auf die Bühne zu bringen ? Wo liegt da der Mehrwert ? Die ansonsten gelungene Regie hätte diesen wohl in erster Linie mediale Aufmerksamkeit heischenden Tricks  eigentlich gar nicht benötigt.

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Le nozze di Figaro / Mannheim (28.6.2015)

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Es gibt weiß Gott “bequemere” Stücke für einen festlichen Opernabend als den Figaro – zu komplex sind die langen Ensembleszenen für einen wirklich gelungenen Import hochbezahlter Gastsänger. Insofern ist allein aus diesem Grund die gestrige Aufführung mit Lob zu bedenken, da wirklich alles wie am Schnürchen lief. Und falls nicht, dann wäre es mir nicht aufgefallen. Alle drei “Stars” werfen sich mit Leidenschaft in ihre Rollen und nie hat man den Eindruck, sie würden den örtlichen Ensemblemitgliedern “zeigen, wie es richtig geht”.

Erwin Schrott in der Titelpartie wirkt fast ein wenig zu edel für diese Rolle, auch sein Bass klingt teilweise merkwürdig entkernt, keinesfalls voll. Stimmgewaltig ist er allemal und ein Sympathieträger erst recht. Roman Trekel singt phasenweise eher in sich hinein als nach außen (anders kann ich es schlecht beschreiben), gibt aber ein glaubwürdiges Rollenbild ab. Anstatt Barbara Frittoli bot man kurzerhand Amanda Majeski auf – eine gute Wahl. Die leicht zittrige Höhe empfand ich als ansprechend, auch wenn sich bei mir letztlich keine Gänsehaut einstellen wollte.

Abräumen tat aber jemand anderes – nämlich Ensemblemitglied Tamara Banjesevic. Wenn ich den Aushang recht gedeutet habe, handelte es sich hier sogar um ein Rollendebüt. Chapeau, Madame ! Keine soubrettige, sondern eine kraftvolle Susanne. Eindrücklich auch der intrigante Bartolo von Sung Ha in seiner Rachearie, ohne Fehl und Tadel – allerdings auch ohne den notwendigen Zauber – hingegen der Cherubino von Ludovica Bella.

Wenn es etwas zu monieren gibt, dann das Dirigat von Dan Ettinger. Bleischwer die Ouvertüre, verhetzt das Finale Akt IV und zwischendrin irgendwie belanglos.

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Julietta / Frankfurt (27.6.2015)

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Von Martinu kannte ich bisher nur die “griechische Passion”, ein packendes Musiktheaterwerk über Flucht, Vertreibung und Doppelmoral. Vielleicht hatte ich mir deswegen einfach zu viel von “Julietta” erwartet, das im Jubiläumsjahr auch in Zürich gezeigt wird.  Die Handlung liest sich eigentlich interessant, geht es doch um die Frage, was Erinnerung und was Erfindung ist und wo die Grenzen verlaufen. Der Buchhändler Michel sucht in einer merkwürdigen Stadt die junge Frau, in die er sich einst verliebte. Merkwürdig ist die Stadt deshalb, da keiner ihrer Bewohner im Besitz eines Langzeitgedächtnisses ist und alle Selbstverständlichkeiten des menschlichen Zusammenlebens in Frage gestellt werden. Wer Christopher Nolans Meisterwerk “Memento Mori” gesehen hat, weiß, welch Potential einem solchen Stoffe innewohnt. Nun hat sich Martinu, der sich auch für die Texte verantwortlich zeichnet (wenn auch nicht für die Übersetzung ins Deutsche), für einen heiter-komödiantischen Zugang entschlossen und für mein ganz privates Empfinden daneben gelangt. Aber so richtig. Man kann dem Komponisten sicher nicht vorwerfen, auf die Dramatik verzichtet und die absurden Seiten überbetont zu haben – das ist allein seine Entscheidung – aber es reihte sich eine kuriose Begegnung mit den Stadtbewohnern an die nächste ohne dass wirklich etwas passiert, ohne dass sich eine Art Spannungsbogen auftäte. Und das eine Stunde und fünfzig Minuten lang, dann war allerdings nicht Schluss, sondern erst Pause. Vielleicht hätte ich im dritten Akt ja eine Art “Wende” erleben können, aber das Risiko wollte ich dann doch nicht eingehen und bin gegangen.

Auch musikalisch hat mich nichts vom Hocker gehauen. Es gibt ein paar sehr wenige, kurze instrumentale Stellen, aber in der Regel dominiert ein banaler Parlandoton, der häufig abrupt (wie die Kurzzeiterinnerungen) endet, so dass die Sänger ihre Texte sprechen. Es scheint fast so, als ob Martinu selber nicht so recht weiter wusste. Dabei macht das Orchester unter Leitung des GMDs nichts falsch. Kurt Streit müht sich redlich, auch wenn es seiner Stimme an Schmelz mangelt – gleiches gilt auch für Juanita Lascaro in der Titelpartie.

Wer meine Premierenkarte für die drei Einakter im Bockenheimer Depot nächsten Samstag haben möchte, der melde sich über die Kommentarfunktion.

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Pläne für den Juli 2015

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“Il matrimonio segreto” in Strasbourg

“Drei Einakter” von Martinu in Frankfurt

“Iphigenie auf Tauris” in Karlsruhe

“Elektra” und “Lohengrin” in Zürich

“Orlando” in Freiburg

“Halka” in Kaiserslautern

“Siegfried” in Nürnberg

“Bianca e Falliero”, “Il vespro siciliano” und “Le Cinesi”   in Bad Wildbad

“Manon Lescaut” in München

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Pique Dame / Strasbourg (16.6.2015)

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“Tri karti, tri karti, tri karti” – Auch wer des Russischen nicht mächtig ist, dürfte wenig Zeit brauchen um das Drama des Protagonisten der vorletzten Oper Tschaikowskys, “Pique Dame” zu begreifen: ein Emporkömmling und trotzdem weiterhin Außenseiter, in ethnischer und insbesondere finanzieller Hinsicht. Ein Getriebener, der das vermeintliche Problem der unerreichbaren Liebe durch einen einzigen großen Coup am Spieltisch lösen will – und dabei vollkommen übersieht, dass all dies nicht nötig wäre.

Misha Didyk spielt den Hermann beklemmend, raubtierartig und verängstigt. Das eruptive Finale des ersten Bildes ist noch arg zurückhaltend, aber spätestens im Duett mit seiner Angebeteten Lisa, zeigt Didyk auch vokale Präsenz. Dass die Höhe nicht sonderlich stark ist, dürfte bei dieser Partie kein besonderes Hindernis darstellen, die Mittellage überzeugt umso mehr. Sein letztes Solo vor dem Selbstmord ist Zynismus vom Besten. Tatiana Monogarova hat für ihre nicht nur lyrische Partie ausreichend Kraft, aber mir fehlte da das Sehnsuchtsvolle, das farbige Timbre. Ebenfalls eher blass und ohne Erinnerungwert die weitere Herrenriege (Roman Ialcic als Tomski und Tassis Christoyanis als Jeletzki). Spannend hingegen die Besetzung der Gräfin mit Malgorzata Walewska – kein Altstar, der seine Stimmreste vorführt, sondern ein intakter Mezzosopran – dem man sofort abnimmt, warum sie einmal als “Moskauer Venus” bezeichnet wurde.

Da ich die “Pique Dame” bisher erst zweimal hören konnte, möchte ich bei der Bewertung von Marko Letonjas Dirigat eher Vorsicht walten lassen – besonders angesprochen hat es mich nicht.  Wunderbar hingegen – und wie so oft – die Regie von Robert Carsen. Es ist immer wieder erstaunend, wie es ihm gelingt, eine Geschichte genau zu erzählen ohne ihr eine Metaebene oder eine gänzlich abweichend erscheinende aufzuoktroyieren.

 

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