Zelmira / Bad Wildbad (21.7.2018)

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  • July 22, 2018

Rossini gilt gemeinhin als leicht zugänglich. Perlend. Federleicht. Heiter. Denkste. Nun ist das nichts Neues für regelmäßige Besucher der Rossini-Festspiele in Bad Wildbad, einem piefigen Kurort im Schwarzwald, aber der Zuschauerschwund nach der Pause war schon spürbar.

Das könnte zum einen mit der Länge zusammenhängen – 105 Minuten toppen den ersten “Parsifal”-Akt. Die 80 Minuten nach der Pause waren da fast schon ein Spaziergang. Oder war es das Verschweigen, das 1822 uraufgeführte “dramma per musica”, welches ohne secco-Rezitative und sogar ohne Ouvertüre auskommt nur konzertant dargeboten wurde ? Wie dem auch sei – das Libretto ist auch nicht hanebüchener als andere dramatischen Rossini-Werke, allerdings gefiel mir, dass es hier viele szenische Übergänge gab und das Ganze nicht in monumentale wie dramaturgisch isolierte Einzelblöcke wie bei der ebenfalls umfassenden “Semiramide” zerfiel.

Das Dirigat von (auf der Homepage der Festspiele als  “Grandseigneur” bezeichnete) Gianluigi Gelmetti irritierte zu Beginn gleich doppelt, da er das Publikum mehrere Minuten warten ließ, bis er seinen Weg zum Pult antrat und dann ein paar Minuten benötigte, bis er das Orchester (welches ?) und den Chor (welcher ?) in die Spur brachte. Aber dann hörte man den Wildbader Rossini-Sound, der weit über den Schwarzwald hinaus Belcanto-Connaisseure anlockt: dramatisch, ohne wuchtig; luftig, ohne beliebig.

Auch gesanglich gab es wenig bis gar nichts zu meckern. Die Finanzierung des Festivals ist ja seit jeher auf Kante genäht, aber eine derart idiomatische, wagemutige Besetzung hört man nördlich der Alpen selten, auch nicht in hochpreisigen Staatstheatern. Mit jugendlicher Bass-Autorität porträtiert Federico Sacchi den entmachteten Herrscher Polidoro. Sein Gegenspieler Antenore wird von Joshua Stewart dargeboten – ein interessanter baritenore, der in der Höhe allerdings doch etwas kehlig klingt. Seinen Sekundant Leucippo  singt der ebenfalls junge Bass Luca Dall’Amico. Bei den Damen beeindruckt Marina Comparato als Zelmiras Vertraute Emma mit einem flexiblen Mezzosopran, ihre Herrin und gleichzeitig Titelpartie singt die in Wildbad erprobte Silvia Dalla Benetta mit feinem, lyrischen Sopran. Erneut ein wahrer Wohlklang. Nur schade, dass der Mut zur exponierten Höhe dann fehlte. Genau an jenem Übermut geizte der Tenor des Abends, Mert Süngü als Ilo an keiner Stelle. Auch wenn da der eine oder andere Spitzenton nicht ganz astrein klang: die tadellosen Übergänge der Lagen, die auch in lyrischen Momenten elegante Tongebung stellen eine Empfehlung für noch ganz andere Häuser dar. Bravo !

Bedauerlich und bezeichnend hingegen der Umgang der Intendanz mit den an der Produktion beteiligten Künstlern. Mir ist kein Opernhaus, kein Festival bekannt, das die Namen der beteiligten Künstler nicht durch wenigstens einen Aushang bekannt macht. Wildbad ist da die unrühmliche Ausnahme. Schade, denn wenn Sänger schon für eher wenig Geld auftreten, dann sollte man ihnen doch wenigstens soviel öffentliche Anerkennung zuteil werden lassen. Zumal es ja nichts kostet….

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