Don Giovanni (Premiere) / Mannheim (14.7.2018)

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  • July 15, 2018

Hoch Falk verwöhnte weite Teile Deutschlands gestern mit Sonne – einzig in Mannheim zog ein Buhorkan namens Ekaterina über den “Don Giovanni” hinweg. Dabei fühlte ich mich phasenweise sogar gut unterhalten, aber das Gezeigte beweist, dass eine Ausschreibung der Inszenierung nicht immer eine gute Idee ist. Wenn selbst auf der Homepage des Theaters das Konzept als eines, “das in gewissem Sinne die Grenzen von Vernunft und gutem Geschmack sprengt” beschrieben wird, dann ist eigentlich schon vieles gesagt. 

Siegerin des Wettbewerbes war die junge Russin Ekaterina Vasileva. Ihr Konzept geht weniger von der Psychologie der Figuren aus – da kann sie im Trailer erzählen, was sie will – sondern kommt ganz klar vom Optischen. Das Bühnenbild wird dominiert von Schwarz und Rosa – ersteres ist ein riesiger Swimmingpool mit Dachterrasse, letzteres sind die Choristinnen in fatsuits wie schon im Münchner “Parsifal”. Scheint also Mode zu sein. Da Don Giovanni selber in pechschwarzem Satinanzug auftritt, liegt es zu Beginn nahe, hier einen farblich angedeuteten Geschlechterkampf zu antizipieren, aber weit gefehlt: Der Komtur trägt gelb, Donna Anna weiß, Leporello über dem schwarzen Anzug einen grünen Blaumann, etc. Vielleicht repräsentieren die Farben ja eher Emotionen: schwarz für die unterdrückten, rosa die sexuellen Begierden ? Jedenfalls sehen wir schon in der Ouvertüre riesige Füße (weibliche und männliche) – beim Erscheinen des Komturs am Ende dann schwarze Soldatenstiefel. Es hat sich ausgeliebt – jetzt geht es in den Krieg ? Man weiß es nicht. Die zahlreichen visuellen Zitate können letztlich nicht verbergen, dass ein Fußnotensammelsurium kein ganzheitliches, eigenständiges Werk wird. Es blieben immer zu viele loose ends. Immer wieder musste man jedoch schmunzeln (Wasserschlacht mit dem Gartenschlauch statt Duell; Zerlina auf dem rosa Schweinchen auf dem Weg ins Schloss, die Windeln ihres Sprösslings wechselnde Donna Elvira samt rosa Kinderwagen), aber in den großen Augenblicken, den retardierenden Momenten passiert so gut wie gar nichts – weshalb so manche sängerische Unzulänglichkeit umso deutlicher wurde.

Sung Ha gibt einen unauffälligen Komtur, Philipp Alexander Mehr einen korrekten Masetto mit aufgeschnalltem Waschbrettbauch. Der Don Ottavio von Juraj Hollý klingt im “Il mio tesoro” elegant, schwächelt aber immer wieder. Estelle Kruger hat als dessen Verlobte Donna Anna einige Schärfen, meistert die enormen Anforderungen ihrer Partie aber auf grundsolide Weise. Dennoch gefielen mir die kokette, locker-leicht perlende Zerlina von Amelia Scicolone und die Donna Elvira (mit überaus menschlichem Mezzofuror: Ludovica Bello) weit besser. Patrick Zielke meistert den Leporello mit viel Spielfreude und stimmlicher Gewandheit. Der zwischen kindischem Charme und Boshaftigkeit schwankende Nikola Diskic geht die Champagnerarie erst langsam an, steigert sich dann aber zu einer atemlosen Klimax: eine astreine Leistung ! Da hier ein wirklich gut harmonierendes Ensemble auf der Bühne stand, überwog jedenfalls so manche vokale Schwäche.

Wirklich hervorragend und mit meiner unmaßgeblichen Meinung nach bisher besten Leistung am Hause: GMD Alexander Soddy. Bereits die Pauken ganz zu Beginn haben infernalischen Charakter, kammermusikalisch fein ausmusiziert hingegen das von mir so gehasste “Batti, batti”.

Fazit: eine Inszenierung, die zu viel wollte und zu wenig erreicht, an zu vielen Momenten langweilt – kurzum: Konzepttheater – die jedoch von einer soliden bis guten, aber vor allem harmonischen Ensembleleistung ansatzweise ausgeglichen und von einem spritzigen Dirigat an einigen Stellen sogar veredelt wird. Man muss diesen “Don Giovanni” leider nicht sehen, aber man kann unter gewissen Umständen phasenweise humoristisch unterhalten werden.

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