Roméo et Juliette / Karlsruhe (23.6.2018)

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  • June 23, 2018

Immerhin – bei der heutigen Operngala von Gounods “Roméo et Juliette” lag die Broschüre für 2018/19 inklusive Besetzungen aus. Abonnenten müssen heuer also nicht die Katze im Sack kaufen. Und wenn die Qualität der Gäste so gut ist wie an diesem fußballträchtigen Abend, dann darf man sich tatsächlich freuen….

Über die Problematik der konzertanten Darbietungsform ist an anderer Stelle alles gesagt worden. Daniele Squeo ist mittlerweile aus dem Repertoire nicht wegzudenken, so umsichtig und leidenschaftlich dirigiert der junge Italiener. Walzerseligkeit, Hysterie, Brutalität und natürlich l’amour – Gounod mag nicht gerade der spannendste Komponist sein, aber Squeo  holt aus der Partitur raus, was rauszuholen ist. Und das Orchester folgt ihm nicht minder engagiert – ganz im Gegenteil zum Chor, der nicht immer so ganz einheitlich klingt, wie er es könnte, aber zur Pause schnurstracks das Podium verlässt. Deutschland-Schweden ruft.

In den kleineren Ensemblepartien gab es erneut von soliden (Yang Xu als Duc) über gute (James Edgar Knight als Tybalt)  bis hin zu sehr guten (Alexandra Kadurina als Stéphano, Nicholas Brownlee als Capulet) Leistungen zu vernehmen. Als Mercutio machte Dean Murphy von der Deutschen Oper Berlin alles tadellos, auch wenn sein Karlsruher Kollege problemlos mithalten kann. Das Liebespaar wurde mit rollenerfahrenen Sängern besetzt – für Nino Machaidze war die Julia vor zehn Jahren sogar der internationale Durchbruch. (Sie sprang für Anna Netrebko in Salzburg ein.) Wirkliches Gespür für die Spezifika der französischen Sprache (Nasale) hat die georgische Sopranistin nicht wirklich, aber einen interessanten Mix aus herber Süße in den leisen, und leicht metallischer Färbung in den lauteren Stellen. So kommt es, dass das “Je veux vivre” überzeugt, das “Dieu, quel frisson” aber einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Machaidze hat zwar nicht den ganz langen Atem, aber die Koloraturen sind vorhanden, auch wenn sie vorsichtig angegangen werden. Auch in darstellerischer – hier besser: mimischer Hinsicht – ist die voll in der Rolle und harmoniert bestens mit Charles Castronovo. Der sieht nicht minder fesch aus, hat einen leicht dunklen, aber eben nicht künstlich abgedunkelten Tenor und eine ansprechende voix mixte ohne Hauchen, die ihm vor allem beim “Lève-toi, soleil” zugute kommt. In der Summe könnte man etwas boshaft sagen: Wie Jonas Kaufmann, nur in gut.

Großer und berechtigter Jubel des in sehr überschaubaren Mengen erschienen Publikums.

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