Tannhäuser / Mannheim (13.5.2018)

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  • May 14, 2018

Neun Jahre hatte der Mannheimer “Tannhäuser” in den Untiefen des Fundus geschlummert – doch selbst eine offensichtlich gut geprobte Wiederaufnahme konnte über zentrale Probleme der gestrigen Aufführung hinwegtäuschen.

Das größte Fragezeichen war zweifelsohne die Regie von Chris Alexander, die schon vor 22 Jahren bestenfalls das Prädikat “bieder” verdient hätte. Der Konflikt Wartburggesellschaft vs. Venusberg wird hier gar nicht zur Diskussion gestellt und so bleibt das Kernelement der Handlung – die Zerrissenheit Tannhäusers, sein Schwanken zwischen den Extremen – im Unklaren. Und auch in Mannheim kommt man schnell zur schmerzhaften Erkenntnis, dass eine klassische Ballettumsetzung (Choreographie: Jacqueline Davenport) des Venusbergs bestenfalls dekorativ, schlimmstenfalls peinlich ist – in Mannheim war letzteres der Fall, auch wenn die schandwüsten Kostüme (Susanne Hubrich) der Tänzer einen gewissen Anteil am Fremdschämen hatten. Dass der Chor der Bacchantinnen aus dem Off eher säuerlich klang, trug nicht gerade zum Lustgewinn bei, die Pilgerchöre klangen da schon deutlich ansprechender. Kein Wunder, dass es Tannhäuser in die Ferne zieht.

Nicht wirklich gut war leider die Besetzung der Titelpartie. Frank van Aken klang von Anfang an heiser, immer wieder kurzatmig, die Tongebung unstet und im Forte über Gebühr tremolierend, der Vortrag selbst bis auf die solide Romerzählung wenig abwechslungsreich. Kurzum: enttäuschend. Als Venus konnte man Heike Wessels hören, für die nach ihrem Fachwechsel vom Mezzosopran zum dramatischen Sopran die Venus nicht wirklich eine logische Wahl darstellte. Die Höhen sind imposant (allerdings auch nur im ersten Akt, im dritten Akt flackerten sie dann), aber den Tiefen fehlt es an der nötigen Süffigkeit, an Erotik. Für den jungen Bass Patrick Zielke kam die Partie des Landgrafen ein wenig früh, aber er macht seine Sache ordentlich. Bei den Minnesänger fallen vor allem zwei Sänger auf: Andreas Herrmann als Walther von der Vogelweide klingt wie ein karikierender Hybrid aus Verdi und Charaktertenor, während Nikola Diskic als Wolfram erwartungsgemäß die Herzen des Publikums zufliegen – aber überwiegend auch zu Recht, da Diskic keinen liedsängerhaften Zugang, sondern einen durchaus kernigen Ansatz verfolgt. Glücklicherweise bot man Astrid Kessler als Elisabeth auf und die stellte alle ihre Kollegen in den Schatten. Kräftig, ab nie triumphierend schwebt ihr jugendlich schwärmender Sopran durchs Nationaltheater und ihre Darbietung ist die einzige, die wirklich berührt – ihr “die Freude zog aus meinem Herzen” trifft ins Herz des Hörers. Fantastisch.

Im Graben entschloss sich GMD Alexander Soddy zu einer Interpretation, die sich am besten unter dem Schlagwort “den Laden zusammenhalten” subsumieren lässt. Somit fällt einerseits auch das Musikdrama im Graben aus, andererseits nutzen vor allem die Holzbläser die Gelegenheit zum delikaten Spiel, selbst die in Mannheim unter Dan Ettinger noch notorisch gefährdete Blechbläsersektion macht ihre Sache gut.

 

 

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