Das Rheingold / Karlsruhe (5.5.2018)

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  • May 5, 2018

Auch knapp zwei Jahre nach der Premiere bleibt das “Rheingold” von David Hermann eine ziemlich glanzlose Angelegenheit – zusammen mit einem ziellosen Dirigat und einem mittelprächtigen Ensemble ergab das also keinen guten Start für den vorerst letzten “Ring”-Durchlauf.

Die Idee Hermanns, ab der zweiten Szene den restlichen “Ring” mit Statisten parallel im Zeitraffer als eine Art Vorahnung Wotans zu erzählen, so dass der Einzug der Götter gleichzeitig mit der Götterdämmerung endet, ist weiterhin ganz interessant – aber es ergibt keinen inhaltlichen Mehrwert. Und wenn es dann noch mit der Logik hapert, dann wird es ärgerlich: das Lindenblatt spielt im “Ring” eben keine Bedeutung, Sieglinde stirbt erst nach der Übergabe Siegfrieds an Mime und so weiter und so fort. Besonders fragwürdig in diesem Zusammenhang die Entscheidung der Regie, Loge mit Schlapphut und Augenklappe in der dritten Szene Szene auftreten zu lassen, als er Mime befragt oder den Siegfried-Statisten während der Verwandlungsmusik von der dritten zur vierten Szene Wotans Speer zerschlagen lässt, da hier Realität und Wahrnehmung Wotans nicht mehr getrennt sind. Die Rheintöchterszene strotzt vor  Harmlosigkeit wie die Riesenwurm-/Krötenverwandlung billig wirkt. Und vom Gold in Form eines Grales schweigt des Rezensenten Höflichkeit. Hinzu kommt, dass das Gezeigte so schrecklich belanglos wirkt. Dass ausgerechnet am 200. Geburtstag von Karl Marx eine derart apolitische Interpretation über die Bühne geht, ist bitter – denn vom Zynismus, der ganz grundsätzlichen Systemkritik Wagners sehen wir nichts. Es ist eine Inszenierung für jene Art Wagnerianer, welche die ganzen Stammbäume und Inhaltsangaben brav auswendig gelernt haben und sich mit den eigentlichen Fragen nicht wirklich beschäftigen wollen.

Bei den Sängern nehmen erneut Klaus Schneider als lyrischer Mime und Matthias Wohlbrecht als windiger Loge für sich ein – dass beide ausgesprochen textverständlich singen, ist an diesem Abend leider keine Selbstverständlichkeit. Jugendlich-klangschön singt Ariana Lucas die Erda, Seung-Gi Jung rumpelt als Donner  rollendeckend, Cameron Becker präsentiert einen schönen Mozarttenor, die Rheintöchter (Uliana Alexyuk, Agnieszka Tomaszewska und Dilara Bastar) harmonieren gut. Die Riesen (Yang Xu, Atvandi Kaspeli) hingegen klingen nicht wirklich frisch, Katherine Tier scheppert mit säuerlichem Mezzo die Fricka.  Jaco Venter hätte als Alberich bestimmt dämonischer als Räuber Hotzenplotz über die Rampe kommen können, wäre der Regie etwas mehr zu ihm eingefallen – immerhin verfällt er nicht mehr so sehr in den so bellenden Tonfall. Nathan Berg merkt man seine Alberich-Vergangenheit an, aber der Rollenwechsel hin zu Wotan klingt überzeugend, vor allem in den ariosen Stellen – beim Parlando bleibt manches noch im Ungefähren.

Justin Brown kann im Graben kleinere Abstimmungsfehler nicht ganz vermeiden, aber das empfand ich als weniger schlimm als die von meiner Seite aus gefühlte Konzeptionslosigkeit, was freilich auch mit dem Bühnengeschehen zusammenhängen kann.

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