Motezuma / Ulm (20.4.2018)

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  • April 22, 2018

Manche Intendanten sagen zum Abschied leise Servus, andere lassen es noch mal richtig krachen. Andreas von Studnitz hat in seiner letzten Spielzeit unter anderem den erst vor kurzem rekonstruierten “Motezuma” (also ohne “n”) von Vivaldi auf den Spielplan gesetzt. Eine unterm Strich überzeugende Aufführungen, wenn auch mit einigen Abstrichen.

Regisseurin Antje Schupp lässt den “Motezuma” in einer Azteken-Ausstellung im Prado beginnen und enden, während der zweite Akt in der UNO-Vollversammlung spielt. Das Museum als Spielort ist ja nun wahrlich keine innovative Idee, aber hier funktioniert es ungleich besser als bei einem “Trovatore” wie in Salzburg oder einer “Aida”. Allerdings geht der Inszenierung nach einer Weile die Puste aus und die Sänger zum Chargieren gezwungen. Spätestens wenn Christianne Bélanger als Ramiro Cortez, Bruder des Feldherren Cortez, in Schlagermanier und Discobeleuchtung im zweiten Akt seine Rede hält oder die Motezuma-Gattin Mitrena im Publikum Bonbons verteilt, wird Schupps eklatanter Mangel an Personenregie deutlich, da hilft es auch nicht, dass am Ende der Prado abgefackelt und als neue Götter US-amerikanische Firmenlogos von McDonald’s, Apple und Co als neue Götter errichtet werden und auch sonst regelmäßig zuvor Ausstellungsgegenstände im Minutentakt auf den Boden geworfen, ab- und wieder aufgestellt werden. Schupps fast schon konsequente Missachtung der kontemplativen Momente führt somit zu einer Hyperaktivität, welche die Aufmerksamkeit  der Zuschauer im eher schwach besetzten Auditorium jedoch sichern konnte.

In sängerischer Hinsicht war die Leistung ordentlich – bedenkt man, dass es sich nicht um genuine Barocksänger handelt, sogar klasse, einzig Martin Gäbler bleib als Motezuma trotz grandioser Kostümierung (Mona Hapke, auch für die Bühne verantwortlich) stimmlich etwas blass. Auch der Mezzosopran I Chiao Shih begann als Mitrena verhalten, steigerte sich aber schnell. Ihre Kollegin aus dem selben Stimmfach, Christianne Bélanger, blieb auch rollenbedingt etwas blass. Leider verzichtete das Besetzungsbüro auf Countertenöre und musste somit dreimal auf die Stimmlage des Soprans zurückgreifen, was das Klangspektrum beschränkte. Helen Willis klang als Motezuma-Tochter apart, das eigentlich Duell um beeindruckende Hochtöne fand zwischen den Feldherren Fernando Cortez (Julia Sitkovetsky) und Maria Rosendorfsky (Asprano) statt, das mit einem Unentschieden enden würde, hätte Rosendorfsky nicht diese wirklich energiereiche Arie mit obligater Trompete gehabt.

Leider ist dieses Instrument das einzige, das Aufmerksamkeit erregt, denn Michael Weigers eher biedermeierliches Dirigat fehlt es phasenweise am nötigen Drive – da mag die Akustik im Großen Haus noch so problematisch sein.

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