Semele / Karlsruhe (28.2.2018)

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  • March 1, 2018

Dass viele Oratorien Händels nichts als verkappte Opern sind, das hat hat sich mittlerweile herumgesprochen. Und dennoch funktionieren sie nicht ohne weiteres als szenisches Arrangement. Bei der nunmehr letzten Aufführung der Wiederaufnahme-Serie der “Semele” wurde auf verblüffende Weise gezeigt, wie sehr ein geschickter Regisseur die Klippen eines solchen Umfangen nicht nur umschiffen, sondern sogar zu glänzen vermag.

Denn der niederländische Regisseur Floris Visser macht aus der Götter-Seifenoper ein wahrhaft kurzweiliges Liebesdrama, welches unverkennbar US-amerikanische Bezüge nimmt. Jupiter (Randall Bills mit muskulös-drahtigem Oberkörper und Tenor) ist ein aalglatter Präsident mit Zahnpastalächeln und hysterischer Ehegattin (Juno – Katherine Tier kann ihren charakteristischen, nicht immer klangschönen Mezzo bestmöglich präsentieren) und nicht weniger karrierebewusst. Kein Wunder, dass die junge Sterbliche und Geliebte Semele (Anna Devin mit pyrotechnischem Feuerwerk zum Schluss, zuvor aber auch zum innigen Legato fähig) aus dem Weg geräumt werden muss. Dass sie nicht Terry Weys feinstimmigen Athamas die Hand zur Ehe reichen möchte, muss sich ihr grober Herr Papa (Edward Gaunt) etwas anderes überlegen – hätte er doch nur erkannt, dass Semeles Schwester Ino (Alexandra Kadurina mit keuschem Klang) an dem Prinzen Gefallen gefunden hat. Yang Xu kassiert als verschlafener Wachmann bzw. Somnus zahlreiche Lacher.

Und obwohl die Pause erst nach zwei Stunden einsetzt, kommt kaum Langeweile auf, die Charaktere wirken stets glaubwürdig und überaus menschlich. Natürlich ist so manche szenische Umsetzung erwartbar, aber das engagierte Ensemble macht seine Sache so gut, dass man sich angesichts der amourösen Umtriebe von Donald “grab them by the pussy” Trump die vergleichsweisen harmlosen Taten seines Vorvorgängers Bill Clinton kaum aus der Zeit gefallen fühlt.

Zeitlos schön spielte übrigens auch das Orchester (erneut die Deutschen Händel-Solisten) unter der Leitung von Christopher Moulds, engagiert und spielfreudig trat der Händel-Festspielchor auf.

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