Valer Sabadus: Tiranno amor / Karlsruhe (17.2.2018)

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  • February 17, 2018

Einen für mich überaus gelungenen Einstieg in die diesjährigen Händelfestspiele gab es mit einem Arienabend von Valer Sabadus (nebenbei: wo ist das “Barna” im Nachnamen geblieben ?). Unter dem Titel “Tiranno amor” gab es zwar keine besonders exotische Auswahl der Gesangsnummern (Händel, Vivaldi, Porpora), dafür aber eine in jederlei Hinsicht stimmige Umsetzung derselbigen.

Eröffnet wurde der Abend mit einer im Vortrag noch etwas trockenen Chaconne von Henry Purcell durch Deutschen Händel-Solisten. Mit gerade einmal zehn Musikern durfte natürlich kein “Dolby Surround” erwartet werden, aber die (vielleicht von mir eingebildeten) ein, zwei Ungenauigkeiten traten bei “Senti il fato” deutlicher als bei größeren Klangkörpern zu Tage. Nichtsdestotrotz begleiteten die Instrumentalisten ohne Dirigenten (mit Andrea Keller als Konzertmeisterin und Rien Voskuilen am Cembalo) Sabadus so aufmerksam wie einfühlsam. Bei den Orchesternummern beeindruckte mich eine viersätzige Sonate von Johann Friedrich Fasch mit ihrem farbigen Klang weit mehr als die zwei weiteren Konzerte von Telemann.

Mit der Händel-Kantante “Crudel tiranno, Amor” hatte sich Sabadus dann gleich zu Beginn einen großen Brocken vorgenommen, und so klang die Stimme in den ersten wenigen Minuten etwas beengt, danach aber stets frei, auch wenn das Forte nicht unbedingt Sabdus’ Forte sein mag. Das Gros der Arien wurde vom galanten Stil dominiert, was dem feinen, reinen Vortrag des Solisten sicher genauso zupass gekommen sein dürfte wie die beinahe schon kammermusikalische Besetzung des Orchesters. Und so begeisterte Sabadus vor allem bei Porporas “Alto Giove” (auch wenn dieses ungewohnt zügig vom Orchester eingeleitet wurde) oder das “Gelido in ogni vena” aus Vivaldis “Farnace”, bei dem die besungene Kälte fast greifbar wurde. Große Klasse ! Bei den aggressiveren Nummern würde ein Sänger mit den vokalen Anlagen wie Sabadus eigentlich an seine Grenzen stoßen – dass er es nicht tut, spricht für seine musikalische Intelligenz. Und so hörten das Publikum im nicht ganz ausverkauften Haus ein ebenfalls überzeugendes “Venti turbini” aus “Rinaldo”.  Mit seinen Zugaben (“Lascia la spina” und als Ausblick für die Neuproduktion 2019 “Ombra mai fu”) und sympathischen Ankündigungen (Seitenhieb auf Tenöre, Verweis auf seine Sprechstimme und vergessene Noten, die er noch holen musste) verzauberte Sabadus auch den gejetlagten  Schreiber dieser Zeilen und lässt bestimmt nicht nur mich auf ein Wiederhören hoffen.

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