Die lustigen Nibelungen / Karlsruhe (25.1.2018)

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  • January 26, 2018

Sind tote Clowns eigentlich lustig oder traurig ? Und wie lustig mag es für ein hochmotiviertes Ensemble sein, vor einem drittelvollem Haus eine Operette zu spielen ?

Für mich war der Abend eher von der traurigen Sorte. Das lag weniger am – wie schon erwähnt – spielfreudigen Ensemble und insgesamt fünf (!) Gästen. Man könnte gewiss Kritik an einzelnen Stimmen anführen: Rebecca Raffells (Ute) Damenbass ist arg brüchig, Ina Schlingensiepens (Kriemhild) sonst so lyrischer Sopran merkwürdig verhärtet, Christina Niessens Brünnhilde (ebenfalls Sopran) gequetscht und auch Klaus Schneiders Siegfried hat seine besten Tage hinter sich, was hier durchaus rollendeckend ist. Daniel Pastewski (Hagen) würde man hingegen gerne mal als Sarastro hören und Andreas Beinhauer führt als schwächlicher Gunther wiederum einen fast schon zu schönen Bariton ins Felde. Aber wie gesagt: bei Operetten sticht Spiel den Gesang, da konnte man zufrieden sein – übrigens auch mit dem Chor.

Auch die Bühne (Nikloaus Webern) und die pfiffigen Kostüme (Janina Ammon) waren auf der Habenseite zu verbuchen. Was fehlte denn nun eigentlich ?

Aus dem Orchester erklingen die Melodien von Oscar Straus mit der richtigen Mischung aus Schmäh, Schmelz und Schmiss. Dennoch hätte es von allem noch eine Schippe mehr sein dürfen. Merkwürdigerweise klapperte es in der Koordination zwischen Graben und Bühne immer wieder. “Kurioserweise” deshalb, da Chordirektor Ulrich Wagner den Taktstock schwang.

Die Partitur selber ist operettengemäß funktional. Erwartbar spritzig eben. Indem aber regelmäßig Wagnerzitate (manchmal muss man ob deren Länge fast schon von Auszügen sprechen) eingeflochten werden, fällt die passable Qualität der Musik Straus’ im direkten Vergleich zum kompositorischen Schaffen des “Meisters” umso stärker auf. Man stellt sich also unnötig selber das Bein – und das auch noch mehrfach.

Vielleicht ist das Werk selber ja nicht besonders stark und besitzt “gefähliche Längen”. Wobei Texte wie “Lodernde Liebe liegt in den Lüften! Mächtige Minne saust durch den Saal! Sehrende Sehnsucht! Reichliche Rente! Mächtige Mitgift! Brüllende Brunst!” Wagnerianern von der Stahlhelmfraktion die Zornesröte ins Gesicht treiben könnten. Aber dann hätte man gleichwohl einen Regisseur benötigt, der strafft und streicht – und keinen der das Werk unnötig dehnt und didaktisiert. Es braucht lange, bis die Inszenierung in die Gänge kommt, aber dann ist auch gleich schon wieder Pause. Der zweite Akt gefiel dann gut, hier haben die Charaktere auch Entwicklungsmöglichkeit, aber im dritten Akt lässt die vormals als zottelige Germanzombies aufgetreteten Sänger immer mehr als Pegida-Anhänger auftreten. Natürlich bekommen Viktor Orban und Alexander Gauland ihr Fett ab. Und die Germanen drücken wieder die Schulbänke. Ach je.

Aber auch sonst konnte Johannes Polzgütter nicht viel mit dem Werk und den Charakteren anfangen. Und so störten mich das kontinuierliche Grimassieren und Stolpern der Sänger fast noch mehr als die bessermenschliche Attitüde der Regie. Schade – denn mit “Wahnfried” hatte man eine wirkliche gelungene Ergänzung zum aktuellen “Ring” gefunden.

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