Mitridate / Schwetzingen (13.1.2018)

  • 4
  • January 14, 2018

Nach Karthago und seinem berühmt-berüchtigten Feldherren Hannibal war Mithridates VI., König von Pontos, das letzte große Hindernis für das expandierende Imperium Romunum das Mittelmeer endgültig zum mare nostrum zu machen. Der scheidende Heidelberger Operndirektor Heribert Germeshausen hatte somit eine passende Wahl für die letzte der sieben neapolitanischen Opern im Schwetzinger Rokokotheater, wird er doch ab nächster Spielzeit Intendant in Dortmund. Glückwunsch, dass sich die programmatische Trüffelschweinarbeit, in Archiven nach unbekannten Barockopern zu stöbern, auch karrieretechnisch ausbezahlt hat.

Mithridates hat die Römer stark gefordert, und das tut die gespielte Zweitfassung von Porpora mit dem Heidelberger Ensemble nicht minder.  Jacopo Spirei erzählt die Handlung um den mafiösen Orient-Potentaten und seine beiden Söhne stets nachvollziehbar wie erwartbar. Die Handlung wird in einen schon angebombten Herrscherpalast der Jetztzeit im nahen Osten verlegt –  und fertig ist das Konzept. Assad und Co. lassen grüßen. Details wie eine vergoldete Maschinenpistole oder die mit Sprengstoffgürteln ausgestatteten Choristen zum ungewöhnlich langen Schlusschor geben dem Abend aber dennoch eine individuelle Note. Die Heidelberger Musiker haben im Laufe der Jahre zunehmend an ihrer barocken Spielpraxis arbeiten können – Felice Venanzoni kann dieses Jahr die Ernte einfahren. Gewiss nicht die Leistung eines Spezialistenensembles, aber für ein kleines Haus eine höchst respektable !

Um den Abend nicht in Wagnersche Dimensionen ausarten zu lassen, hatte man sich dazu entschlossen, einzelne Arien zu streichen, andere zu kürzen. Das irritiert manchmal. Aber nicht jeder Sänger hätte im da capo-Teil brillieren können, insofern auch hier eine kluge Entscheidung.  Zachary Wilson ließ in der Miniarie des Archelao einen schönen Bass hören,  ein überaus erfreuliches Wiedersehen gab es mit der ehemaligen Heidelbergerin Rinnat Moriah, die für die erkrankte Katja Stuber in der Rolle der Ismene einsprang, die Rezitative dabei sogar auf der Bühne spielte und die Arien vom gekonnt vom Blatt sang. Shahar Lavis Leistung als Farnace war ordentlich, besaß aber keinen großen Erinnerungswert – ganz im Gegenteil zu  Yasmin Özkan. Ganz zu Beginn klang ihr Sopran zwar noch etwas körperlos, erzielte dann aber sukzessive einen beachtlichen Klang, der sich durch Wärme und Farbreichtum auszeichnet. In der Titelpartie hörte man David DQ Lee. Der Countertenor macht aus dieser Rolle fast eine Vorstudie zum Herodes. Auf der Klaviatur der Emotionen spielt er szenisch und auch sängerisch gekonnt. Leider blieb Antonio Giovannini in der Farinelli-Rolle des Sifare hörbar unter den Erwartungen. Zu Beginn einzelner Phrasen sprang die Kopfstimme des kurzatmigen Countertenors nur unter Druck an und ließ in seiner ersten großen Arie jeglichen Schmelz vermissen, Töne wurden mühsam abgepresst. In seine beiden weiteren großen Arien konnten diese Mängel etwas kaschiert werden, handelte es sich doch um die typischen Sturm und Drang-Arien mit Hörnern.

Nichtsdestotrotz: ein lohnenswerter Abschluss des Heidelberger Zyklus und ein guter Einstieg ins neue Jahr, den ich natürlich auch Ihnen, geschätzte Lesrinnen und Lesern wünsche.     

Share Button
(Visited 53 times, 1 visits today)