Tosca / Stuttgart (29.12.2017)

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  • December 30, 2017

Auch im neunzehnten Jahr seit der Premiere kann die Inszenierung von Willy Decker ihre Stärken ausspielen: im riesigen, schwarzen, fast leeren Bühnenraum wirken die Charaktere in ihren historisierenden Kostümen klein, gehetzt, orientierungs- und hilflos. Eine ideale Spielweise also für diesen Thriller unter den Opernklassikern.

Allerdings benötigt man hier tendenziell eher große Stimmen, und da waren doch Abstriche zu machen. Kurioserweise am wenigsten bei den Sängern der kleineren Partien, aber die waren mit den akustischen Umständen bereits vertraut: Karl-Friedrich Dürr deklamiert den Mesmer phasenweise mehr als dass er ihn singt, Ashley David Prewett verleiht dem Angelotti die nötige Glaubwürdigkeit, wie immer schön das Wiederhören mit dem Stuttgarter Urgestein Heinz Göhrig als Spoletta.

Die Besetzung des Scarpias von Markus Marquardt hatte mich nach seinem tollen Rigoletto an gleicher Stelle nicht überrascht – vielleicht war ich daher doch von seiner Darbietung am meisten enttäuscht. Seine eher verhaltene Darstellung von Sadismus und Lüsternheit spiegelt sich auch in seinem stimmlichen Porträt wieder, im Te Deum fehlt es hörbar an Stimmgewalt und auch im  zweiten Akt hat man von anderen Scarpias schon mehr Aggressivität vernommen.

Arnold Rutkowskis Cavaradossi ging die Sache vorsichtig an, vor jedem Forte vernahm man seine Vorsicht – nur um dann denn ton umso länger zu halten. Reibungsverluste mit dem Graben blieben da nicht aus. In optischer Hinsicht eine Idealbesetzung hat mir bei Rutkowski bei seinen Piani dann doch die Zärtlichkeit im Tonfall gefehlt – sein “E luccevan le stelle” klang merkwürdig distanziert.

 Nahezu vollständig überzeugen konnte dagegen Cellia Costea. Ihre Tosca klingt zwar wenig voluminös, dafür aber immer auch etwas verletzlich. Das verinnerlicht vorgetragene “Vissi d’arte” nahm in seiner Melancholie bereits das tragische Ende vorweg. Dennoch stand hier kein armes Hascherl auf der Bühne – Costea kann sehr wohl sie selbstbewusste Diva herauskehren.

Der von mir sehr geschätzte Giuliano Carella arbeitete immer wieder die kleinen Preziosen der Partitur heraus ohne dabei den dramaturgischen Faden zu verlieren. Unter diesem Dirigenten klingen die Stuttgarter so italienisch wie selten.

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