La Bohème / München (25.12.2017)

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  • December 26, 2017

Weiße Weihnachten – sie werden immer seltener. Wer Schnee sucht, findet diesen womöglich noch beim Skifahren, aber selbst da ist keine Garantie drauf. Oder aber man geht in die Uralt-Otto Schenk-Inszenierung der “Bohème” in München.

Da diese Inszenierung – oder vielmehr das, was noch von ihr übrig bleibt – immer noch so viel mehr Flair besitzt als zum Beispiel die verunglückte Baden-Badener Produktion, die Sänger gut einstudiert wirken und das Orchester unter der Leitung Alexander Soddys, des neuen Mannheimer  GMDs, viel Sinn für die dem Stoff innewohnende Theatralik versprüht und sich nicht im  klangmalerischen Kleinklein wie bei gehypten Pultstars verheddert, erlebt das ungewohnt unruhige, jeden Aktschluss verklatschende Publikum eine emotionale Aufführung.

Levente Molnar, Andrea Borghini und Balint Szaba geben als Marcello, Schaunard und Colline glaub- wie liebenswürdige Mitbewohner ab, in sängerischer Hinsicht harmonisieren sie wunderbar. Als Musetta konnte man eine hinreißende Golda Schultz hören, die den letzten Hochton ihres Walzer ganz ungewohnt im Piano verklingen ließ. Guanqun Yu blieb als Mimi im ersten Akt etwas zurückhaltend, blühte dann aber regelrecht auf, so dass ihr großer Moment dann eine fast frohe Abschiedsarie im dritten Akt war. Nicht weniger berührend gestaltete sich auch ihre Sterbeszene, bei der Bryan Hymel als Rodolfo wie schon im ganzen Abend mit einem überaus hörenswerten Tenor beglückte. Mag die Stimme in der Höhe sich zwar etwas verengen (womöglich Abendverfassung), so besitzt sie eine herrlich maskuline Mittelllage und gleichwohl sichere Spitzentöne.

Fazit: zum Sterben schön.

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