Roxy und ihr Wunderteam / Augsburg (22.12.2017)

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  • December 23, 2017

Ich mag Fußball, wirklich ! Vor allem Weltmeisterschaften, selten sind die Opernhäuser so leer, da im Gegensatz zum regulären Betrieb kulturell zwangsbeglückte Ehemänner Aufführung fernbleiben dürfen. Warum also nicht auch mal Musiktheater über Fußball besuchen ?

Mei, Augsburg ist – und das mögen mir die Lokalpatrioten bitte verzeihen –  nicht gerade die nächstliegende Wahl für dieses Sujet. Und mit dem Genre Operette stehe ich generell eher auf Kriegsfuß. Aber HSV-Held Jimmy Hartwig mal auf der Bühne sehen….warum eigentlich nicht ? Und so hat sich die Fahrt für mein Dafürhalten durchaus gelohnt, obgleich von unserer Viererkette sich gleich zwei zur Halbzeit auswechseln ließen. Beileibe nicht die einzigen Zuschauer, die die Ersatzspielstätte des Augsburger Theaters vorzeitig verließen. Ich konnte die Argumente durchaus nachvollziehen – vieles wirkte wirklich ungewollt peinlich, zumal die Bühne nicht wirklich prädestiniert war und die Ausstattung (Sarah-Katharina Karl) sehr sparsam wirkte. Man könnte zurecht kritisieren, dass Regisseur Martin Berger das Libretto auseinander genommen und sich eine ziemlich neue Geschichte gebastelt hatte, bei der so ziemlich alle aktuellen Fragen um die schönste Nebensache der Welt aufgeboten wurden: die korrupte FIFA, Funktionäre, die sich eher für Frauen als Fußball interessieren, Homophobie und noch so manch andere Sau, die in der aktuell #metoo-Hysterie durchs mediale Dorf getrieben wird. Der erhobene moralische Zeigefinger schwingt manchmal leider doch mit, aber dankenswerterweise eher selten. Und so kommt es, dass die nicht wirklich nacherzählenswerte Handlung durch ironische Tanzeinlagen von Marie-Christine Zeisset (Fußballer teilweise unter der Dusche, teilweise in Stollenschuhen Stepptanz vollführend) und die hemmungslose, ja fast schamlose Sentimentalität der Partitur Paul Abrahams, übrigens im süffisant-spritzen Sound unter der Leitung von Lancelot Fuhry dargeboten, den Abend phasenweise herzerfrischend wirken lassen.

Einen wesentlichen Anteil hat hierbei das homogene Ensemble: Thaisen Rusch als verliebter Mannschaftsaußenseiter mit hübschem Tenor, Katja Berg als Roxy, das charmant-verruchte Objekt seiner Begierde, Uli Scherbel als heimlich schwuler Kapitän, der seine große Liebe im schottischen Funktionärsneffen Bobby Cheswick (Wiard Witholt) findet. Dessen Onkel (Markus Hauser) darf den Sparwahn bei der öffentlichen Kultur besingen, während Jimmy Hartwig als Beckenbauer-Verschnitt eher mäßige Pointen als Gesangseinlagen darbieten muss. Viel Spielfreude auch bei den anderen Teammitgliedern, die hier unter anderem auf die Namen Manuel Alter oder Mats Bienel lauten.

Fazit: für eine Operette gar nicht mal so übel.

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