Götterdämmerung (Gala) / Karlsruhe (10.12.2017)

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  • December 10, 2017

Auch beim zweiten Durchgang konnte mich die Umsetzung der “Götterdämmerung” von Tobias Kratzer überzeugen, phasenweise sogar fesseln. Hier ist die Inszenierung ganz klar der Star. Trotzdem war man gespannt auf die beiden Gäste….

Allen voran Nadja Michael mit ihrem Debüt als Brünnhilde. Ich hatte die Dame bisher nur einmal (Elisabeth/Venus) gehört, wo sie bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte. Heute hingegen…. nun, sagen wir es so: ihre Darbietung hatte Erinnerungswert. In der tiefen und mittleren Lage klingt der ehemalige Mezzosopran äußerst intakt, was nicht von jeder Fachwechslerin behaupten kann (Stichwort: Petra Lang). In der Höhe wirft sich die ehemalige Sportschwimmerin mit einer derartigen Wucht in die Töne, dass es fast schon einem Krimi gleicht. Packt sie’s ? Packt sie’s nicht ? Antwort: sie packt es erstaunlich gut, auch die exponierten Töne, auch wenn einzelne Intonationstrübungen, vor allem im Duett auf dem Brünnhildenfelsen,  nicht zu überhören sind. Da klingt Michael kurioserweise sogar sattelfester als Heidi Melton – aber zum Preis einer Phrasierung à la Vogt. Michael muss nahezu jede Phrase zeratmen, wenn auch weit dezenter, weil sie ohne diese Kraftanstrengung schlicht und ergreifend nicht über die Runden käme. Ihre Brünnhilde ist in rein stimmlicher Hinsicht ein Triumph des Willens über die Physis. Dennoch hat mich ihr Porträt durchaus berührt, schwer zu sagen warum. In darstellerischer Hinsicht ist die Frau natürlich eine Wucht und für ein Debüt war da bereits bewundernswert viel an Textauslotung zu vernehmen, auch wenn die Vokale gnadenlos durchs Raster fallen und ihr s-Fehler phasenweise durchschien.

Der zweite Gast war der ehemalige Karlsruher Torsten Kerl. Kerls Opernkalender hat sich in den letzten Jahren deutlich gelichtet und nach diesem Siegfried fällt es mir umso schwerer zu verstehen, warum. Denn auch Kerl lässt sich in weiten Teilen auf das unkonventionelle Regiekonzept ein (einzig auf die Masturbation am Ende des ersten Aktes verzichtet er) und spielt diesen jungen Helden glaubwürdig – angesichts der Leibesfülle Kerls kein leichtes Unterfangen. Vor allem im dritten Akt dreht Kerl noch einmal richtig auf, trifft das “Hoihe” auf den Punkt, macht bei der Waldvogelerzählung alles richtig und offenbart bei seinem Bühnentod das größtmögliche Maß an Katharsis. Klasse !

Die meisten Bravorufe gab es dennoch für zwei Ensemblemitglieder: Armin Kolarczyks Gunther klingt noch kernig-heldischer als bei der Premiere – nur in szenischer Hinsicht ist der Gibichungenfürst ein Schwächling. Staatsopernniveau erlangt mittlerweile Konstantin Gorny als Hagen, dessen Mannenrufe noch brutaler, sein “Hier sitz ich zur Wacht” noch düsterer klingt als zuvor. Vor allem hinsichtlich der Textgestaltung hat der Kammersänger noch einen Gang zugelegt. Katherine Tier (Waltraute, erste Norne, Floßhilde) hat mir unerwartet gut gefallen, Jaco Venters tobender Alberich ist erneut eine sichere Bank und die Gutrune von Chrstina Niessen oszilliert gekonnt zwischen Manipulation und Emotion.

Der in Karlsruhe unerwartet verlängernde GMD Justin Brown hatte in der Nornenszene noch ein wenig mit der Abstimmung zu kämpfen, konnte dann aber erneut ein wirklich überzeugendes Dirigat vorlegen, das sich nie in den Vordergrund drängelte und den Sängern ausreichend Unterstützung bot. Auch hier ein großes Lob an die Badische Staaatskapelle.

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