Francesa da Rimini (Premiere) / Strasbourg (8.12.2017)

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  • December 9, 2017

“Wären Tristan und Isolde italienischer Herkunft, hätten sie am Ende des zweiten Aktes sieben Kinder,” konstatierte der legendäre Dirigent Toscanini. Und fügte hinzu: “Aber sie sind Deutsche, also diskutieren sie noch.” Obgleich der Ursprung der Handlung in Dantes “Göttlicher Komödie” zu suchen ist, so trägt sie gleichwohl unübersehbar tristaneske Züge, zumal dieses Liebespaar mehr als einmal zitiert wird.

Was bleibt aber übrig, wenn man von Wagners “Handlung” den dritten Akt, Schopenhauer und die Tristan-Chromatik subtrahiert ? Letzten Endes eine mittelalterliche Dreieckskiste mit einer überaus disparatem Dramaturgie. Auch in musikalischer Hinsicht hat die Partitur von Riccardo Zandonai in meinen Ohren wenig Besonderes. Einzig die Szene im vierten Akt, als Francesca von ihrem intriganten Schwager Malatestino (Tom Randle singt diese Melot-artie Partie mit ins Heldische drängender Verschlagenheit) und den Schmerzensschreien aus dem Verließ in die Zange genommen wird, lässt aufhorchen. Dem großen Liebesduett zuvor fehlt jedoch jene metaphysische Ebene, die bei Wagner das Thema wiederum fast schon zu überfrachten droht. Der von mir geschätzte Guiliano Carella zeichnet de Partitur mit einem herben Klangcharakter aus – das Orchestre Philharmonique de Strasbourg folgt ihm im Laufe des Abends immer überzeugender. Ein besonderes Lob an dieser Stelle an das wunderbare Cello-Solo !

Es scheint, als ob Regisseurin Nicola Raab mit der kruden Handlung wenig anzufangen wusste. Man wüsste im ersten Akt ja noch gerne, was es mit dem Francesca-Double auf sich hat – erst im vierten Akt taucht es wieder auf, dann ist es aber auch egal. Die Charaktere gewinnen bis zum Schluss keine wirklichen Konturen, am wenigsten die beiden Liebenden. Marco Vratonga darf als gehörnter Gatte Giovanni La Sciancato wenigstens noch toben und wüten, aber sein Bruder und Nebenbuhler Paolo il Bello  (Marcello Puente) führt einen achtbaren Tenor ins Felde, der in der Mittellage jedoch brüchig wirkt und auch sonst nicht wirklich mit seinem Beinamen korreliert. In der Titelpartie hören wir die ebenfalls blasse Saioa Hernández. Alles okay, gewiss, aber gepackt hat mich das so gar nicht, dabei war ihr etwas herber Sopran durchaus schön anzuhören. Ihre Dienerin Samaritana (Josy Santos) bietet da mit ihrem hohen Mezzo mehr Erinnerungswert.

Wenigstens in optischer Hinsicht kommt man auf seine Kosten. Obwohl alles in weiß, grau, und schwarz gehalten ist, sind die ans Mittelalter angelehnten Kostüme und die Bühne (Ashley Martin-Davis) sehr schön anzuschauen und beeindrucken durch viele Details, die durch die stimmungsvolle Lichtregie noch betont werden. Ob das aber für einen gelungenen Opernabend reicht, das muss dann doch jeder für sich selbst entscheiden. Mir jedenfalls nicht.

 

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