Philippe Jaroussky: Händel / Baden-Baden (10.11.2017)

  • 0
  • November 11, 2017

Vor zwanzig Jahren galten sie vielerorts noch als Exoten, heutzutage sind sie selbst in Stadttheatern fester Produktionsbestandteil. Die Rede ist natürlich von jenem ominösen Stimmfach des Countertenors. Und bereits vor über fünfzehn Jahren war der Franzose Philippe Jaroussky neben dem weit herber timbrierten Max Emanuel Cencic Speerspitze der heutigen Generation, die nunmehr auch weit zahlreicher vertreten und noch diverser im Klang aufgestellt ist. Die bloße Tatsache, dass Jarousskys immer noch knabenhafter Klang zwar gereift, aber nicht gealtert ist, verblüfft einerseits – und begeistert andererseits.

Denn Jaroussky präsentierte im Rahmen seiner Tournee elf Arien (inklusive Zugaben), zumeist aus seinem aktuellen Album, das ausschließlich Händels Opernschaffen gewidmet ist, wobei mit Ausnahme des “Radamisto” und dem atemberaubend schönen “Ombra mai fu” aus “Serse” als Abschluss des Abends eher unbekanntere Werke wie “Imeneo”, “Siroe” oder “Flavio” zu Gehör gebracht wurden. Gewiss, ein heldenhaft auftrumpfender Sänger wie beispielsweise Fagioli war Jaroussky nie – und versucht es glücklicherweise auch gar nicht zu werden. Der immer noch jugendlichen Charme versprühende Franzose kennt seine Grenzen und setzt statt dessen das Publikum einem wahren Klangbad aus, das vor allem in den Adagio- und Piano-Passagen begeistert, wobei auch im Forte viele überzeugende Momente zu hören sind. Es ist eben kein extrovertierter, sondern in sich gekehrter, reflektierter Händel, den das dankbare und überaus disziplinierte Publikum zu hören bekommen durfte.

Dass das Werk und nicht der Künstler im Vordergrund steht, liegt auch daran, dass die Übergänge zwischen Arien und Zwischenspielen – ebenfalls ausschließlich Händel – beinahe fließend sind, und das Publikum kaum Gelegenheit zum Zwischenapplaus erhält. Das Ensemble Artaserse spielt ohne Dirigenten oder Blechbläsern, dafür mit viel Gespür für die zahlreichen Feinheiten der Partituren. Der gemeinsame Schlussapplaus in einer Reihe stehend machte deutlich, dass hier ein ganzes Team zum Erfolg beigetragen hatte.

Share Button
(Visited 84 times, 1 visits today)

Leave a Reply