Il trovatore / Frankfurt (10.9.2017)

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  • September 11, 2017

Schon vor den ersten Klängen aus dem Graben war klar, dass David Bösch diesen “Trovatore” inszeniert hatte, zieren doch wie so oft plakative kindliche Kreideskizzen (oder so in der Art) den Vorhang: hier sehen wir ein großes Herz mit den Namen der beiden Rivalen sowie deren Objekt der Begierde zeichnerisch miteinander verbunden. Da bräuchte es eigentlich gar keine Inhaltsangabe im Programmheft mehr.

Zumal es Bösch und sein Bühnenbildner Patrick Bannwart dabei nicht belassen. Zu den Adaptionen ins Heute wird für die ganz Dummen im Publikum auch noch erklärt, was und wen wir eigentlich sehen. Auf dem Panzer steht tatsächlich “Luna” geschrieben, zu Leonores “Tacea la notte” werden schwebende Musiknoten im Hintergrund eingeblendet. Weitere Illustrationen können bei Bedarf nachgeliefert werden, aber ich denke, dass es klar ist, wohin die Reise geht. In aller Fairness muss gesagt sein, dass der “Trovatore” wahrhaft kein besonders logisches Werk ist – dass der Zuschauer den konfusen Wendungen und Zeitsprüngen zu folgen vermag, ist tatsächlich ein Verdienst des Regisseurs. (Nebenbei: der sollte doch aktuell eigentlich in Gent “Das Wunder der Heliane proben, oder ?)  Dass Bösch manchmal mit seinen Anbiederungen an die Moderne übertreibt (Selfie von Lunas Schergen mit der gefangen Azucena), ins Peinliche abdriftet (die Feuerzeuge in selbiger Szene wecken eher Assoziationen an ein Michael-Jackson-Konzert als an den drohenden Flammentod) oder so gar kein antiziganistisches Klischee auszulassen vermag, das hakt man dann einfach nur noch unter der Kategorie “Ach komm, ist ein Bösch, was hast du erwartet ?” ab.

In den großen Arien herrscht dann wiederum Leerlauf, was die Sänger aber zur Profilierung verstehen – was auch an dem verhaltenen, zu sensiblen Tönen fähigen Dirigat von Jader Bignamini zu tun haben könnte. Einzig beim Zigeunerchor wäre etwas weniger “Rheingold”-Gewalt bei den Ambossen schöner gewesen. Die Chöre waren okay, bei den ersten Phrasen allerdings nicht immer ganz präsent.

Kihwan Sim (Ferrando) eröffnet den Abend mit einer plastisch gestalteten Erzählung der Vorgeschichte. Die Einspringerin Marianne Cornetti konnte sich gut in die Inszenierung einfinden und mit unheilsschwangerer Tiefe und prächtiger Mittellage punkten. Dass einmal ein Aufschwung in die Höhe etwas verunglückte: geschenkt. Brian Mulligan konnte trotz raubeiniger Töne beim “Il balen del suo sorriso” innig-verklärte Töne anstimmen und immer wieder auch die Furcht und Unsicherheit seiner Partie glaubhaft transportieren. Piero Pretti singt an vielen renommierten Häusern, und es ist auch klar warum: der Tenor besitzt das ausreichende Maß squillo für diese gefürchtete Partie (das hohe c in der Stretta war bewundernswert stabil). Merkwürdigerweise investierte der Sarde beim “Ah si ben mio” direkt zuvor unnötig viel Kraft, so dass die eigentlich lyrische Arie ungewohnt hart klang. Schade. Nach einigen kleineren Anfangsschwierigkeiten lief Elza van den Heever zu großer Form als Leonora auf. Klar könnten die Triller etwas “geläufiger” sein, aber die warme Stimme zieht einen schnell in den Bann und feuert im Schlussquartett des zweiten Bildes imposante Hochtöne und dem späteren “D’amor sull’ali rosee” dramatische Klänge ab. Eine hervorragende Leistung !

Fazit: die Inszenierung ist nicht wirklich stark, tut aber nicht weh, die Besetzung lohnt.

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