Mosè in Egitto / Bregenz (31.7.2017)

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  • August 1, 2017

Vierzig Jahre lang zog Moses mit den Israeliten durch die Wüste. Das klingt erst mal lang, aber er hatte Gott auf seiner Seite – immerhin. Inklusive Pause  führt Regisseurin Lotte de Beer das Publikum drei Stunden im Bregenzer Festspielhaus durch ein Kaleidoskop inszenatorischer Peinlichkeiten – oder an der Nase herum. So genau weiß man das nicht.

Frau de Beer lässt die biblische Handlung – natürlich nicht ohne aufoktroyierte Liebesgeschichte, soviel Rossini muss schon sein – zwar in in der Wüste stattfinden, allerdings im Heute. Archäologen (auf Koks ?) spielen nun die Handlung mit kleinen Drahtfigürchen in Modellkulissen nach. Womöglich wollte die Regie der bei Rossini ja immer auch etwas beschwingte Musik mit die knüppelharten Handlungsfakten (Vergewaltigung, Folter, etc.) gegenüberstellen, aber die Projektionen und Videoeinspielungen dieser “Legofiguren” auf eine riesige Kugel in der Mitte des Bühenenraums (Was soll die da ? Wie kommt die da hin ?) sind dann von ausgesuchter Peinlichkeit, dass man gar nicht mehr hinschauen möchte. Und es vor lauter Unglauben dann doch tut, und sei es nur um sicherzustellen, dass beim großen Gebet im dritten Akt tatsächlich alle Sänger hinter der Leinwand platziert sind, so dass niemand die Sänger, jeder jedoch das leidende Volk als Drahtfigürchen sehen kann. Ein derartiger Mangel an Respekt vor Sängern ist mir bisher selten untergekommen.

Dummerweise tröstet die Musik nicht über das szenische Debakel hinweg. Die Partitur zählt nicht zu Rossinis stärksten, auch wenn im zweiten Teil etwas mehr Innovation und Abwechslung zu vernehmen ist. Gleichwohl vermögen Dirigent Enrique Mazzola und die Wiener Symphoniker keine Wunder zu bewirken.

In sängerischer Hinsicht war der Abend fragwürdig besetzt. Handelte es sich um eine Aufführung in – sagen wir mal Stuttgart – dann hätte man verstehen können, dass das Ensemble so wenig harmonisierte. Bei Festspielen wie Bregenz jedoch eine absolute Unverständlichkeit: Der Faraone von Andrew Foster-Williams klingt grobschlächtig, die aspirierten Koloraturen irritieren. Sein Gegenspieler Moses (Goran Juric) hat weniger zu singen, aber auch hier ist das kein besonderer Verlust, zu “wattig” klingt sein Bass über weite Strecken. Dessen Gattin Amaltea singt Mandy Fredrich von der Seite, gespielt wurde sie von der Regieassistentin. Eine klangschöne Darbietung, gewiss, nur vollkommen unidiomatisch im Tonfall. Clarissa Costanzo leiht der zwischen Liebe zum Pharaonensohn Osiride und Ausreisewunsch schwankenden Elcia einen mutterhaftem Mezzo – isoliert betrachtet eine solide Leistung, auch wenn ihr am Ende ihrer Arie ein wenig der Atem ausging – aber in Kombination mit dem schwachbrüstigen, phasenweise zeigen-artig meckernden Sunnyboy Dladla ein ungleiches Paar.

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