Maometto II / Bad Wildbad (23.7.2017)

  • 2
  • July 23, 2017

In den 1820ern strebte Griechenland nach der Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich, eine wahre Hellenismus-Hysterie erfasste Europa. In Neapel nahm sich Rossini des Themas an, indem er auf die Zerstörung der venezianischen Kolonie Negroponte durch die Türken 1476 zurückgreift. Die Handlung ist hier – im Gegensatz zu den beiden vorherigen Abenden – durchaus nachvollziehbar, auch wenn es immer wieder Leerlauf gibt. Was jedoch fasziniert, ist zum einen die moderne, da fast durchgängige Kompositionsstruktur in beiden Akten, die sich stark von den vielen eine-Shownummer-jagt-die-nächste-Opern Rossinis abweicht. Und zum anderen die musikalische Umsetzung.

Selten hat man die Trinkhalle derart beschwingt verlassen. Die Chöre sind zwar nicht immer ganz im Taxt und das Orchester unter der Leitung von Antonino Fogliani reicht in seiner Raffinesse nicht an das Aureliano-Dirigat oder den zweiten Eduardo-Akt heran, rangiert aber immer noch weit über der Qualität vieler mittelgroßer Häuser. Es ist also die Auswahl der Solisten, die begeistert: vom Tenor Merto Sungu als Statthalter Erisso hätte man gerne mehr gehört, seine Tochter Anna lieh Elisa Balbo ihren kleinstimmigen, aber bewegenden Sopran, mit dem sie vor allem im zweiten Akt  das Publikum berührt. Besonder imposant klang der schneidige Mirco Palazzi in der Titelpartie – wir hören ein Bassbariton, der sich in allen Lagen frei und kraftvoll auszudrücken vermochte. Getoppt wurde das alles vom Kontraalt Victoria Yarovayas. Ihr Calbo rockt mit dem “Non temer” das Haus durch eine atemberaubende Flexibilität in der Stimmführung. Triller und Koloraturen sind vom Feinsten, so dass “bis”-Rufe zu hören sind. Brava !

Zur Regie von Intendant Jochen Schönleber sei gesagt, dass sie die Handlung nachvollziehbar erzählt, ohne sich aufs interpretatorische Glatteis zu bewegen, sofern man davon absieht, dass die muslimischen Truppen hier als schwarzer Block erscheinen und das Kinderzimmer Annas auseinander nehmen. Nun ja. Angesichts der szenischen Möglichkeiten eine dennoch zufriedenstellende Arbeit.

Man darf gespannt sein, was im dreißigsten Festivaljubiläum geboten sein wird. Der ungekürzte “Tell” vor vier Jahren wird schwer zu toppen sein, aber eine “Armida” – das wäre doch was….

Share Button
(Visited 54 times, 1 visits today)