Eduardo e Cristina / Bad Wildbad (21.7.2017)

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  • July 22, 2017

Zwanzig Jahre musste man beim Schwarzwälder Rossini-Festival auf eine erneute Produktion von “Eduardo e Cristina” warten. Der Komponist selber hatte vor knapp 200 Jahren weit weniger Zeit zur Fertigstellung der Partitur – und lieferte folglich ein Pasticcio ab.

Die konzertante Darbietung dieses Best of korrespondierte merkwürdigerweise mit den meteorologischen Umständen. Anfangs drückte die Schwüle auf das Orchester, die Virtuosi Bruneses klangen zu Beginn an manchen Stellen eher dumpf als leicht. Später entlockt Dirigent Gianluigi Gelmetti der Partitur zahlreiche Feinheiten, ohne zu hetzen. Hervorragend auch der Camerata Bach Chor, insbesondere in der ersten Nummer nach der Pause !

Und genauso, wie sich die nicht nacherzählungswürdige Handlung zumindest auf dem Papier verdichtet, öffnen sich im Laufe des Abends zunehmend die Himmelstore – der Donner aus der Ferne und sintfluartige Regengüsse ergänzen auch akustisch das vorhersagbare wie dramatische Geschehen. Silvia della Benettas Cristina  hatte mit Schärfen begonnen, dann aber zu einem weichen, vollen Klang wie schon vor einer Woche gefunden. Für Hochtonfestischisten wie mich bleibt das Singen in der Komfortzone bei Rossini gleichwohl ein wenig enttäuschend. Auch Laura Polverelli präsentiert sich als Eduardo erst im zweiten Akt mit wirklich profundem Mezzo, zuvor waren da noch einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Kenneth Tarver singt Carlo, den königlichen Vater Cristinas mit tenoraler Stilsicherheit und fast zu viel Eleganz, auch hier hätte man sich vom früheren Stuttgarter Ensemblemitglied aber etwas mehr patriarchalische Potenz gewünscht.

Fazit: nicht so packend wie der “Aureliano” letzte Woche, dennoch eine hörenswerte Angelegenheit.

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