Adriana Lecouvreur / Karlsruhe (22.6.2017)

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  • June 23, 2017

Aller guten Dinge sind drei. Und so kam ich nach der Premiere und der Gala zur dritten Aufführung der neuen Karlsruher Produktion der “Adriana Lecouvreur” – dieses Mal in der B-Besetzung. Eine etwas gemeine, aber auch bei allem Einsatz und Musikalität der Betroffenen eine keinesfalls unpassende Bezeichnung nach dem Besuch der gestrigen Vorstellung.

Jaco Venters Charakterbariton passt gut zu Scarpia und Alberich, als unglücklich verliebter Michonnet tremoliert er doch etwas zu arg. Nichtsdestotrotz nimmt man ihm die Rolle des Abendspielleiters der comédie francaise  ab – ganz im Gegenteil zu Katherine Brodericks Porträt der Titelfigur. Das Kostüm des ersten Aktes wirkt unvorteilhaft – vorsichtig ausgedrückt – und auch sonst hatte ich eher den Eindruck, eher eine junge Schauspielstudentin als eine gefeierte Diva auf der Bühne zu erleben. Broderick macht diese Adriana ungewöhnlich verletzlich, was auch zu ihrer stimmlichen Darbietung passt. Zwar war sie mit leichter Erkältung angekündigt, aber auch so merkte man, dass der umsichtige Daniele Squeo die Lautstärke hörbar drosseln musste, um dem Karlsruher Neuzugang Gehör zu verschaffen. Der Reiz dieser Partie liegt ja – neben der reinen Schönheit des Klanges, den Broderick zweifelsohne abrufen kann – auch daran, die Dynamik der Partie auszureizen, wie zum Beispiel im dritten Akt, wo die Sprechpassage in einen gesungenen vulkanartigen Ausbruch führt. Und der blieb für mich zu oft aus. “Adriana Lecouvreur” ist eben Verismo und kein Verdi oder gar Mozart – und so rührte sich auch nach den “povere fiori” keine Hand zum Applaus. Mit ähnlichen Problemen kämpfte James Edgar Knight als Maurizio. Mit den leisen Passagen (“bella tu sei”) mühte er sich auch des öfteren ab, Passagen, die eigentlich kraftvoll ausgesungen werden sollten, waren relativ kurz angebunden und im Duett mit Adriana im zweiten Akt musste er am Ende nach unten oktavieren (so war jedenfalls mein Eindruck, aber da kann ich mich täuschen). Schade, denn an sich hat Knight die richtige Attitüde für die Partie und auch sonst einen schön anzuhörenden Tenor, der sich jedoch erst mal eher an leichtgewichtigere Partien wagen sollte. Einzig Sanja Anastasia fällt aus dem Rahmen – im Gegensatz zur Premierenbesetzung macht die Slowenierin aus der Fürstin von Boullion durch ihren kraftvollen Vortrag keine zutiefst verunsicherte Frau, sondern eine Furie, mit der nicht gut Kirschen essen ist. Diese Adriana hat gegen diese Fürstin keine Chance, so viel ist klar.

Fazit: solides Repertoire

 

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