Der Freischütz / Heidelberg (13.6.2017)

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  • June 15, 2017

Die Qualität eines Hauses lässt sich nach meinem Dafürhalten viel besser an einem Repertoire-“Freischütz” als an der Premiere einer medial gehypten Ausgrabung bemessen. Vorweggenommenes Fazit: Heidelberg steht ziemlich gut da.

Irina Simmes ist eigentlich dem – hier so gar nicht nervige – Ännchen längst entwachsen, im kleinen Heidelberger Haus zumal. Auf ihre Konstanze in Frankfurt bin ich jedenfalls schon gespannt. Auch von Wilfried Stabers kraftvollem Eremiten hätte man gern mehr gehört.  Zwar kam der Chor beim unverwüstlichen “Was gleicht wohl auf Erden” anfangs ein wenig ins Schwimmen, klang aber ansonsten gut balanciert. Olivier Pols, zweiter Kapellmeister am Haus, leitete das Orchester mit Augenmaß und lieferte ganz nebenbei mit einem bestens disponierten Orchester ein klasse Dirigat ab, das  stark an eine historisch informierte Aufführungspraxis erinnerte: die Hörner schmettern und knattern, dass es eine wahre Lust ist, die Flöten und das Schlagwerk spuken wahnwitzig in der Wolfsschlucht und die Streicher ruhen ganz in sich und verkleben nicht alles mit vordergründigem Kitsch – wie es ja öfters bei Agathes “Und ob die Wolke sie verhülle” zu hören ist. Hervorragend !

Hye-Sung Na hadert in genannter Partie erwartungsgemäß mit den Dialogen, aber die vorbildliche Legatokultur ihres frei fließenden Soprans überstrahlt das. Warum die Regie die Koreanerin dazu nötigt, weite Teile ihrer beiden Arien entweder mit dem Rücken zum Publikum bzw. auf dem Boden liegend zu singen, das wird wohl das Geheimnis von Sandra Leupold bleiben. Die liefert eine Inszenierung ab, die meist im Irgendwo, gelegentlich im Nirgendwo versandet. Max (Alexander Geller mit in dieser Partie ungewohnt klarem, hellen und gut fokussierten Tenor) und Kaspar (James Homanns farbarmer Bass wird nie mein Fall werden, aber er spielt die Partie überzeugend) dürfen sich regelmäßig bis auf die Boxershort entkleiden und dann wieder anziehen, in der Wolfsschlucht wird ein Menschenopfer erbracht. Ja mei. Alle Effekthascherei bringt halt nichts, wenn der Samiel (AP Zahner) die Diabolik eines Vorabendserienschurken besitzt.

 

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