Der Diktator+Schwergewicht+Das geheime Königreich / Frankfurt (5.5.2017)

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  • May 6, 2017

Respekt! Mögen in München die großen Namen der Opernwelt ein- und ausgehen, so wird es kaum ein Opernhaus geben, in dem abseitige Werke musikalisch und auch szenisch derart überzeugend umgesetzt werden wie in Frankfurt. Drei Kurzopern von Krenek standen auf dem Spielplan, die von David Hermann visuell imposant (Bühnenbild: Jo Schramm) auf die Bühne gebracht wurden.

Am besten gefiel mir der erste Einakter über den missglückten Mordanschlag auf einen Diktator (Davide Damiani mit weißblonder Herrenrassenfrisur und fundiertem Bariton) durch die Frau (Sara Jakubiak mit lyrischer Attacke) eines im Krieg erblindeten Offiziers (Vincent Wolfensteiner mit einem tief bewegenden Solo und eindrücklich vorgetragenem Text), der durch die eifersüchtige Diktatorengattin (die etwas vollreif-abgesungene und somit rollendeckend besetzte Juanito Lascarro)  verhindert wird.

Im zweiten Teil ändert Herrman die Handlung leicht ab und lässt den Diktator jetzt als Zuschauer der burlesken Eifersuchtskomödie um einen Max Schmeling-Verschnitt (Simon Bailey) anwesend sein. Mit dem Werk konnte ich wenig anfangen, obgleich die Solisten ihre Rollen hinreißend spielen und sangen, vor allem Nina Tarandek als charmante Psychotherapiepatientin Anna Maria Himmelhuber.

Nach der Pause gab es dann ein etwas konfuses Werk über eine Revolution und das flüchtende Königspaar – erneut mit Davide Damiani als Herrscher, aber nun mit der beeindruckenden Ambur Braid als Koloraturen schleudernde Gattin, die sich auf der Flucht vor dem Rebellenführer (Peter Marsh mit stechend scharfem Tenor) in einen Baum verwandelt.

Interessant empfand ich die zahlreichen Parallelen zu anderen Opern: Das brünstig vorgetragene “Sei mein” des Diktators erinnert an “Siegfried”, das gesamte Szenario ein wenig an die “Florentinische Tragödie”. Insbesondere im “geheimen Königreich” sehen wir Ähnlichkeiten zum “Wunder der Heliane” (Herrschergattin fordert die Freiheit eines Rebellenführers), “Götterdämmerung” (drei singende Damen geizen fordern die Krone bzw. den goldenen Reif) und sogar eine Vorwegnahme der Strauss’schen “Daphne”.

Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Lothar Zagrosek, einem Kenner “entarteter” Musik. Von üppigen Schwelgereien über augenzwinkerndes Kommentieren bis hin zu launischen Banjoklängen entlockt der ehemalige Stuttgarter GMD dem Frankfurter Orchester ein faszinierendes Klangkaleidoskop, das man gerne sofort ein zweites Mal hören möchte.

Fazit: Die Oper Frankfurt zeigt wieder einmal, wie man mit einem gut aufeinander abgestimmten Ensemble samt Opernstudio mit wenigen, dafür aber gut ausgesuchten Gästen ein etwas sperriges Werk überzeugend auf die Bühne bringen kann. Toll!

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