Adriana Lecouvreur / Karlsruhe (6.5.2017)

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  • May 6, 2017

Auch wenn der vierte Akt dieser Inszenierung (Katharina Thoma) mehr an eine “Traviata” erinnert und ich dann und wann etwas weniger Plausibilität in der Vermittlung der Handlung gewünscht hätte, ist diese Produktion –  insbesondere nach dem Ausscheiden der langlebigen und effektvollen “Tosca” von John Dew –  womöglich das aktuelle Aushängeschild des Hauses. Sie ist optisch ungemein ansprechend und ist somit auch für Gäste der hochpreisigen Operngalas vermittelbar. 

Neben dem zu jung besetzten, aber gefühlvoll vortragenden Ensemblemitglied Seung-Gi Jung als alter Theaterdirektor Michonnet gab es auch ein Wiedersehen mit dem regulären Gast Fredrika Brillembourg als verlassene Fürstin von Boullion. Im Vergleich zur Premiere wirkt sie nun weniger zurückhaltend, aber dem sehr gepflegten Mezzosopran fehlt es für die Ausbrüche zu Beginn des zweiten Aktes immer noch etwas an Durchschlagskraft. Massimo Giordano gab einen Maurizio (mit blendendem Aussehen übrigens) sowie viel Schmelz und der nötigen Italianatà in der Stimme. Bedauerlich war, dass ein umgefallenes Dekorelement  ein wenig den Fokus von der kraftvoll vorgetragenen Schlachterzählung im dritten Akt ablenkte.

Wie bei kaum einem Stück richtet sich der Blick jedoch auf die Vertreterin der Titelpartie. Mit Barabara Dobrzanska hat man ja bereits eine exzellente Besetzung. Lohnte sich also der Aufpreis für die bekannte, aber sich in letzter Zeit durchaus auch rar machende Namensvetterin ? Nun, die Mailänderin geht die Rolle durchaus etwas anders an – übrigens allein schon optisch, indem sie  keinen Hosenanzug trägt. Die Stimme fließt weich und warm, dass es eine wahre Freude ist. Im Unterschied zur Hausbesetzung nimmt ihr vielleicht eher ab, dass sie sich in ihrer Auftrittsarie tatsächlich in den Dienst der Kunst stellt, während Dobrzanska ansatzweise bewusst damit “nur” kokettierte. Eine andere Interpretation also, nicht unbedingt eine bessere.

Der erste Kapellmeister Johannes Willig entlockte der badischen Staatskapelle erneut einen bunten Straß veristischer Klangelemente und half den beiden Gästen im vierten Akt umsichtig durch die ungewohnte Inszenierung. Echte Blumen gab dann es erst beim Schlussapplaus für die beiden Galagäste. Absolut verdient für eine kleine Sternstunde.

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