The Consul / München (9.4.2017)

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  • April 10, 2017

“Your hopes will be filed” – Ihre Hoffnungen kommen zu den Akten. Verkündet eine Botschaftssekretärin einer verzweifelten Antragsstellerin auf Einreise in das sichere Land, da sie Ihrem Mann, einem politisch Verfolgten, nicht mit krankem Kind und Schwiegermutter  auf illegalem Weg folgen kann. Das Warten, das Beharren auf Formalitäten, diese Mischung aus beamtenrechtlicher Korrektheit und Empathielosigkeit angesichts einer sich vor den Augen aller Welt abspielenden Tyrannei – da muss man nicht in den Opernführer blicken,  um über derartige Geschehnisse in Kenntnis gesetzt zu werden.Die Bayerische Staatsoper hat ihr Opernstudio auf Gian Carlo Menottis “The Consul” angesetzt – neben “L’Arlesiana” die einzig mir bekannte Oper, in welcher die Titelpartie nie in Erscheinung tritt. Man kann vom Eklektizismus des Komponisten halten, was man will, die Effektivität wird man dem Werk schwerlich absprechen können. Im kleinen Cuvillies-Theater können sich die jungen Sängerinnen und Sänger zudem aufs Gestalten konzentrieren, auch wenn das Haus für ein Werk dieser Art eigentlich zu klein ist. Das soll aber keinesfalls als Kritik am musikalischen Leiter Geoffrey Patterson verstanden werden. Der leitet das Orchester nämlich mit Umsicht und tritt gar nicht erst den Versuch an, den veristischen Klangcharakter zu verhehlen.

Christiane Lutz zeichnet den Handlungsverlauf überzeugend nach und macht die Motivationen der einzelnen Charaktere schnell plausibel, das Bühnenbild (Christian Andre Tabakoff) ist für mein Geschmack fast ein wenig überdimensioniert für ein Projekt dieser Art.

Selene Zanetti braucht als Magda Sorel eine Weile, bis sie sich ins Zentrum der Aufführung gespielt hat. Spätestens mit einem fulminant vorgetragenen Arioso (“To this we’ve come”) hat sie sich jedoch ins Herz des ausverkauften Auditoriums gesungen und erhält zurecht Szenenapplaus. Zuvor hatte noch das Ensemblemitglied Helena Zubanovich als Mutter das Geschehen dominiert, was natürlich an der Bühnenerfahrung aber auch dem pastosen Vortrag des Mezzosoprans lag. Niamh O’Sullivan brachte den Zwiespalt der Botschaftsangestellten zwischen Durchaus-helfen-wollen und Nicht-wirklich-helfen-dürfen gut auf den Punkt, Johannes Kammler besaß für den rebellischen John Sorel den richtigen Kraftbariton. In kleineren Rollen bewährten sich Igor Tsarkov (Geheimagent) und Galeano Salas mit frei fließendem Tenor als Verkörperung des verfolgten Künstlers in einem totalitären Staat.

Hätte der Komponist und Librettist in Personalunion das bittere Finale der Oper nicht in einem Puccini-artigen Brei übergossen, dann hätte das auch ein bewegendes Finale werden können. So bleibt doch der etwas schale Nachgeschmack, dass Menotti das Publikum zu optimistisch gestimmt aus der Vorstellung entlassen wollte. Klatschen tat es dennoch – oder deshalb ? Und in jedem Fall vollkommen berechtigt für einen gelungen Musiktheaterabend.

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