Riccardo Primo / Ulm (8.4.2017)

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  • April 9, 2017

Er intrigierte sich mit Mutter und Bruder gegen den Herrn Papa an die Spitze eines Staates, dessen Landessprache er nicht sprach und hätte Zeitgenossen zufolge gar dessen Kapitale verkauft, um den ersehnten Krieg zu finanzieren. Auf der Rückkehr vom selbigen geriet er selbstverschuldet in Gefangenschaft und konnte nur gegen eine Zahlung in Höhe des doppelten Staatshaushaltes freigekauft werden. Trotzdem  trägt der englische König Richard I. den Beinamen “Löwenherz” – wäre “Spatzenhirn” da nicht passender ?

Regisseur Matthias Kaiser tat jedoch nicht nur gut daran, bei Händels “Riccardo Primo” zuviel Augenzwinkern zuzulassen – es handelt sich eben doch nicht um eine opera buffa, sondern eine seria, der dann und wann etwas mehr Ernsthaftigkeit gut getan hätte. Gleichwohl kommen in den knapp 2 3/4 Stunden reiner Spielzeit wenig Längen auf und das ist ja auch ein Verdienst. Schön, dass man für dieses Gastspiel – bei zwei Aufführungen lässt sich kaum von einer Serie sprechen” –  das Geld für ein ansehnliches Bühnenbild mit ästhetischen Videoeinspielungen (Iris M. Holstein) und einem coolen Kostümmix (Angela C. Schuett) aufbringen konnte.

Warum das auf historischen Instrumenten spielende Gastorchester regelmäßig mit dem Attribut “renommiert” beworben wird, das müsste mir mal erklären. Bei soviel Eleganz wie gestern hätte es das Hassler-Consort unter der Leitung von Franz Raml doch gar nicht nötig gehabt. Bei der einen oder anderen Arie (z.B. dem “Ai guardi tuoi”hätte ich mir zwar etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht, aber das Blech und auch die Pauke hatten, wenn sie dann zum Zuge kamen, Schmiss und Kraft. Schön auch die Idee, die solistisch eingesetzten Instrumentalisten gleichwertig auf die Bühne neben die Sänger zu stellen.

Aber warum hatte man denn ausgerechnet an der Solo-Piccolistin für eine der eindrücklichsten Arien des Werkes (“Il volo cosi”) gespart ? Gerade dieser Strich tat dann doch etwas weh, zumal das ehemalige Ensemblemitglied Katarzyna Jagiello als englische Braut Constanza das landestypisch-passende keusch-kühle Timbre besaß. Der angenehm-herbe Mezzo von Carla Nahadi Babelegoto (Pulcheria) gab hier einen passenden Kontrast ab. In der Titelpartie stieß der Kontratenor Yosemeh Adjei im Forte an gewisse Grenzen – Senesinos wachen halt nicht auf Bäumen – konnte in den weichen Arien aber durch samtweichen Klang für sich einnehmen. Als zweiter Countertenor klang Georg Bochow in der Rolle des Oronte fast ein wenig zu austauschbar mit Adjei, aber eben keineswegs schlecht. Auch bei seiner Kriegsarie fehlte es dann eben etwas an Power. Ergänzt wurde das Ensemble durch Clemens Morgenthaler als etwas zu tollpatschigen Tyrannen Isacio und den distinguiert auftretenden Achim Hoffmann als Berardo.

Es wäre schön, wenn dieses Unternehmen nicht das letze seiner Art gewesen wäre.

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