Salome / Strasbourg (19.3.2017)

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  • March 19, 2017

Es gibt Regisseure, da weiß man ziemlich im Voraus, was man bekommt. Bei Alden sind es Wellblech und grelle Farben, bei Carsen stets eine intelligente Personenregie und bei Oliver Py viel Sex. Insofern war die Wahl des Franzosen für die Strauss-Oper in Strasbourg einerseits fast schon zwingend, angesichts der eh schon schwül-erotisierenden Handlung andererseits fast schon “un petit peu trop”.

Und Py spart weiß Gott nicht an “Nackerten” – ein halbes Dutzend Tänzer zeigt wahrhaftig alles. Allerdings hat man mehr als einmal den Eindruck, dass dies eher auf Effekt getrimmt als aus der Libretto oder der Partitur konkret heraus gelesen ist. Dennoch ist die Inszenierung im wahrsten Sinne des Wortes bildmächtig: zeigt die Bühne anfangs noch den Backstage-Bereich eines Theaters, kippt beim Aufstieg des Jochanaan aus der Zisterne die Backsteinwand in Richtig Publikum und präsentiert einen riesigen Dschungel, in dem Salome (jetzt plötzlich) mit Indiandertracht auf den Propheten Jagd macht. Bühnenbildner Pierre-André Weitz fängt hier jedoch erst an: mehrfach kippt die Rückseite im Laufe des Abends und gibt regelmäßig neue Hintergrundbilder in der Art eines Kinderbilderbuches mit aufklappbaren Zeichnungen frei, sei es nun eine Großstadtskyline, das Innere einer Kirche, ein verschneites Gebirge oder am Schluss die feurige Hölle. Nein, langweilig wird einem nicht – und dennoch wirkt das alles seltsam sinnbefreit und losgelöst von der Handlung, die bestenfalls solide erzählt wird.

Dass kein Rausch ensteht, liegt ein wenig auch am Dirigat von Constantin Trinks. Das klingt allzu oft nach Orks und Trollen anstatt der vor vom Komponisten eingeforderten “Elfenmusik”, mehr nach krachledrigem Wagner als nach feinsten Stoffen aus dem Orient. Einzelne Stimmgruppen haben oft einen etwas schrägen Klang, ohne dass sie falsch spielen würden.

Bei den Sängern beeindruckt vor allem Helena Juntunen mit ihrem Rollendebüt.  Anfangs meint man fast, da stehe ein Ex-Mezzo à la Nadja Michael auf der Bühne, aber glücklicherweise weit gefehlt: auch die Höhen erklimmt die junge Finnin ohne größere Anstrengung. Das Timbre hat mich nicht sonderlich angesprochen, aber mit welcher Energie sie sich in diese Rolle wirft, auch den Schleiertanz (bis auf das entblößte Finale) gestaltet, das ist schon mehr als beeindruckend. Dass sie sich am Ende der patriarchalischen Bestrafung durch einen Sprung vom mittlerweile vollständig geschlossenen “Bühnenbuch” im Stile einer Tosca entzieht, ist dann auch fast schon egal. Robert Borks Jochanaan rumpelt sich wenig anmutig durch die Partitur, Susan Maclean ist eine vollmundige Herodias, Wolfgang Ablinger-Sperrhacke hat als Herodes teilweise ein fast kindliches Timbre, deklamiert aber auch des öfteren.

Fazit: eine perfekte “Salome” für Einsteiger.

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