La Reine / Mannheim (12.2.2017)

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  • February 12, 2017

Henne oder Ei – was war erstes da ? Hatte Thomas Bischoff die Idee, die Wesendonck-Lieder zusammen mit den “Nuits d’été” sowie “existentiellen Texten von Arthur Rimbaud und Gottfried Benn” zu einem “Kreuzweg mit Musik von Hector Berlioz und Richard Wagner” zu verwursten oder hatte man einfach meine Lieblingssängerin an der Hand und wollte ihr eine große Bühne bieten ?

Wie dem auch sei – Regisseur Thomas Bischoff musste sich krankheitsbedingt zurückziehen und überließ Jan Dvorak, dem Dramaturgen, die “künstlerische Leitung” des Abends. Die Absenz eines klassischen Regisseurs verhieß wenig Gutes – und irgendwie konnte einem Dvorak fast leid tun, als er am Ende des achtzigminütigen, gefühlt zweistündigen Abends einem Buhgewitter ausgesetzt war, denn für das Konzept zeichnete sich wahrlich nicht er verantwortlich… Die “Handlung” an dieser Stelle nachzuerzählen, möchte ich mir und den Lesern ersparen. Es lohnt auch nicht. Der angekündigte Assoziationsraum war voll mit Propellern, Statuen, Bomben, und vielem mehr – löste im Publikum aber eher Apathie und Aggressionen aus, zumal so manches Berlioz-Lied schnöde durch Texte unterbrochen wurde. Da es keine Charaktere im eigentlichen Sinne gibt, sondern bestenfalls Allegorien, entsteht keine Spannung, da mögen sich die Schauspieler Franziska Rieck, Catherine Janke und Frank Richartz noch so engagiert abmühen. Sie stellen übrigens Krieger, Weib und Nonne dar, aber es könnte sich genauso gut um, sagen wir Schulleiter, Müllermeister und Dyslexiker handeln. Die Zusammenhänge zwischen Liedern und Texten waren für mich nicht erkennbar, die Auswahl erschien mir unverbindlich, willkürlich, wenig plausibel.

Angela Denoke gibt im schrecklich anzuschauenden Batikgewand eine “Königin”, deren Französisch – laut frankophoner Begleitung – durchaus verständlich war. Man merkte ihr dennoch an, dass dies die erste Beschäftigung mit diesem Liedzyklus darstellte. Er lag ihr auch nicht ganz so gut in der Kehle wie die anschließenden Wesendonck-Lieder, die dankenswerterweise weniger unterbrochen, wenngleich auch hier fragwürdig bebildert (Waterboarding) wurden. So entstand wenigstens in sängerischer Hinsicht am Ende des Abends dann eine Verdichtung des Gehörten – nicht des Gezeigten – und lässt ihn auf ansatzweise versöhnliche Weise enden. Ob Denokes silberner Sopran über die Szenerie hinwegblicken lässt, das mag im Auge und Ohr des Betrachters liegen. Gleiches lässt sich zu dem Dirigat von Benjamin Reiners sagen – der Berlioz war mir zu beiläufig, während der Wagner dann deutlich konzentrierter und nuancierter erklang. Das könnte aber auch daran liegen, dass Marek Janowski das selbe Werk vor kurzer Zeit mit dem Orchester des NTM für ein Konzert erarbeitet hatte.

Und genau so hätte dieser Abend Sinn ergeben: konzertant. Und so hart es klingt: Man muss sich diesen Abend nicht antun, selbst wenn man die Protagonistin toll findet. Wenn bereits bei der Premiere der Rang zu und das Parkett gut zur Hälfte voll ist, dann sollte man sich mal im Intendantenbüro so seine Gedanken machen. Hätte man einer intensiven Singschauspielerin wie Frau Denoke nicht eine sinnvollere Bühne bieten können als diesen hausgemachten Unsinn ?

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2 Comments

  • Herr Broucek says:

    Danke für diesen gelungenen Verriss. Es gibt ja noch vergeigte Inszenierungen, bei denen man einzelne Details verspotten mag, aber nicht einmal das kriegt dieser Abend hin. Der war noch nicht einmal ärgerlich, der war nur wuäh.

    Die Schuldfrage ist eine andere, da maße ich mir keine Meinung an, aber schlimm wars. Bei einer der von mir inbrünstig gehassten Regietheaterinszenierungen könnte ich wenigstens noch manchen Leuten sagen: geh hin, DIR wird es gefallen, das wichtigtuterische wehleidige aufsässige pubertäre Gesülze, aber hier fällt mir wirklich gar niemand ein, dem so etwas gefallen könnte. Sie erwähnen “Apathie und Aggressionen”, die das Bühnenbild ausgelöst habe. Dem kann ich so nicht zustimmen, hehe. Ich finde, es löste nur Apathie aus.

    Frau Denoke war als Sängerin hervorragend (das Orchester fand ich auch sehr gut). Aber das ist bei einem solchen Abend keine relevante Erwägung.

    • admin says:

      Danke für Ihren Kommentar.
      Ich bin ein Anhänger des sog. “Regietheaters”, aber das war gestern weder Fisch noch Fleisch. Nun kann auch Gemüse gut schmecken, aber das hier war total verkocht….
      Das Bühnenbild löste insofern Aggression aus, als dass ich mir eine Nutzung desselbigen gewünscht hätte. Dieser rein dekorative Charakter hat mich gestört.
      Grüße an den Mond !