Der Spieler / Frankfurt (27.1.2017)

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  • January 28, 2017

“Es ist halt eine russische Konversationsoper…”lautete die “Warnung”. Dafür, dass hier zwei Dinge aufeinander treffen, die in der Regel nicht so mein Fall sind, war die gestrige Wiederaufnahme der Prokofiew-Oper durchaus gelungen.

Das lag zum einen daran, dass man auf eine deutsche Fassung zurückgriff, was den Sängern bei der Bewältigung der Unmengen von Text durchaus half, dem Verständnis desselbigen jedoch nicht viel. Ohne Übertitel wäre man aufgeschmissen gewesen und man kann sich erneut fragen, worin der Sinn einer Übersetzung liegt, wenn die Sänger sie auch nicht unbedingt besser artikulieren können als das Original. Mithilfe “seines” Orchesters konnte Sebastian Weigle zahlreiche Facetten der Partitur verdeutlichen – die beißende Ironie im tiefen Blech, die Hysterie in den Streichern, der trockene Humor durch gelungenes Timing. Ein Werk, in dem man es als Dirigent wahrscheinlich viel schwerer hat zu glänzen als bei den großen Brocken, aber Weigle macht das souverän.

Die Regie besorgte Altmeister Harry Kupfer bereits vor sieben Jahren. Im imposanten Bühnenbild – Hans Schavernoch entwarf ein riesiges Glücksrad, das auch an einen Roulettescheibe erinnert – und der Neueinstudierung von Alan Barnes werden die Charaktere individuell gezeichnet, allerdings zerfasert das Ganze im vierten Bild zunehmend. Das letzte Zusammentreffen von Polina und Alexej lässt einen etwas ratlos zurück, da die Motivation Polinas unklar im Dunklen bleibt.

“Der Spieler” ist in erster Linie ein Ensemblestück. Gelegenheit genug also für das Frankfurter Haus, sich von seiner guten Seite zu zeigen, was überwiegend auch gelang. Andreas Bauer (General), Theo Lebow (Marquis) und insbesondere Paula Murrihy als Blanche sind ein herrlich unangenehmes Erbschleichertrio. Ihr Entsetzen über den guten Gesundheitszustand der Babuschka war köstlich zu beobachten. Ursprünglich war Anja Silja für diese Partie angesetzt gewesen – sie war auch der Grund gewesen, extra nach Frankfurt zu fahren. Hedwig Fassbender übernahm mit höchstwahrscheinlich besserer vokaler Verfassung, aber eben auch überschaubarerem Bühnencharisma. Sara Jakubiaks trockener Sopran war in der Rolle der Polina nur bedingt ideal, auch die Aussprache ließ zu wünschen übrig.

In der Titelpartie begann Frank van Aken grobschlächtig und textunsicher (einmal verirrte sich fälschlicherweise sogar das “Freischütz”-Zitat “Nein, länger trag ich nicht die Qualen” in einer seiner umfangreichen Sätze), letzteres hielt bis zum Schluss an. Die Souffleuse hatte an diesem Abend jedenfalls ganze Arbeit zu leisten. Der Tenor wird dann jedoch im Laufe der Aufführung weicher und durchaus anhörbar, wenngleich nie wirklich schön. Aber das ist angesichts der musikalischen Vorgaben der Partitur verkraftbar, zumal van Aken sich mit viel Engagement in die Rolle wirft.

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