Elektra / Stuttgart (22.1.2017)

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  • January 23, 2017

Gestern gab es in Stuttgart eine gut geprobte Wiederaufnahme der “Elektra” mit einem vielversprechenden Rollendebüt in der Titelpartie zu erleben.

Genau genommen handelte es sich um ein szenisches Debüt  – konzertant hatte Rebecca Teem diese Mörderpartie bereits in konzertanter Fassung in Garmisch bewältigt. Ich habe bei aller Bewunderung für die hochdramatischen Schlachtrösser Schnaut, Polaski und aktuell Herlitzius immer ein anderes Ideal im inneren Ohr. Ein bei aller Kraft lyrisches, mädchenhaftes – also keine wild um sich schlagende Furie. Dennoch besitzt sie für die entscheidenden Stellen ausreichend Kraft, auch wenn die Stimme dann an anderer Stelle etwas spitzer klingt. Teem kommt meinem klanglichen Ideal also ziemlich nahe, auch in darstellerischer Hinsicht. Hier schreitet keine Primadonna über die Bühne, sondern eine verletzte junge Frau, die das Kindheitstrauma einfach nicht abschütteln kann oder will. Die Erkennungsszene mit ihrem Bruder berührt dieses Mal auf besondere Weise. Eine bei aller Wut introvertierte Elektra, die ebenso wie ihre Schwester im Schlussgemetzel das Zeitliche segnet.

Regisseur Peter Konwitschny hat gut daran getan, die Ermordung des Agamemnon vor den Augen seiner Kinder noch vor dem Erklingen des eingängigen Motivs auf die Bühne zu bringen – und den Leichnam in der Badewanne auf der Bühne zu belassen. Einzig Chrysothemis hat mit der Vergangenheit abgeschlossen und kann den blutigen Vater nicht mehr sehen. Simone Schneider kann allerdings nicht mit jenem Silberglanz bezaubern, den sie bei ihrer Salome noch an den Tag legte. Genau wie ihre Bühnenschwester kämpft sie gegen das zu laut aufspielende Orchester unter der Leitung von Ulf Schirmer.  Der zelebriert im Graben wahre Exzesse, entfernt sich bei aller Sauberkeit im Spiel jedoch meilenweit von der von Strauss eingeforderten “Elfenmusik”. Folglich kann auch Shigeo Ishino seine Stärken nicht wirklich präsentieren. Schade.

Doris Soffel beeindruckte trotz – oder vielleicht ja gerade wegen – mittlerweile etwas lädierter Stimmgebung und ihrer plastischen Textgestaltung in der Rolle der Klytämnestra. Zum Fürchten, wie sie ihre Träume überlebt und das ganz ohne das so übliche Overacting, das man in dieser Partie ja häufiger erleben muss. 

P.S. Ich wurde freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass Rebeccea Teem die Rolle bereits im März 2016 in Essen gesungen hat.

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