Ernani / Frankfurt (20.1.2017)

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  • January 21, 2017

Unter vielen Verdi-Freunden gilt “Ernani” als Geheimtipp, als ein Frühwerk, dass sich qualitativ deutlich von anderen Werken der “Galeerenjahren” des Komponisten abhebt.

Betrachtet man die Handlung, handelt es sich erneut um eine der zahlreichen Räuberpistolen. Unglaubwürdig, effektheischend, oberflächlich. Und doch entsteht auf musiktheatralischer Ebene in den zweieinhalb Stunden in der Oper Frankfurt ein überzeugendes Plädoyer für dieses Werk, das vorsichtshalber in konzertanter Form dargeboten wurde. Regisseur möchte ich bei einem solchen Werk heute beim besten Willen nicht sein. Dass Simone Young, ehemalige GMD’in aus Hamburg, den frühen Verdi im Blut hat, davon konnte man sich bereits vor drei Jahren überzeugen, als die Australierin drei Frühwerke in Angriff nahm, anstatt die altbekannten Werke aufzuwärmen. Mit Umsicht, Energie, durchaus auch für die Galerie dirigierend, entlockt sie der Partitur viele Farben, Schmelz, Schmalz, aber auch Aggressivität.

Leider war die Titelpartie mit dem ehemaligen Ensemblemitglied Alfred Kim nur durchschnittlich besetzt. Die Höhe war imposant, in der Mittellage  klang der Tenor grau, matt, nicht besonders ansprechend. Deutlich mehr Applaus erhielt der Hausbass Kihwan Sim, dessen junges Äußeres im krassen Widerspruch zum Alter seiner Bühnenpartie stand. Beeindruckend sonor, wenn auch auch übervorsichtig bei den Einsätzen und etwas eindimensional gestaltete er die Partie des Greises Silva, der sich mit Ernani im Liebeskampf um die Elvira von Elza van den Heever befand. Van den Heever beeindruckte bereits in ihrer Auftrittsarie mit frei fließendem, die Koloraturen ohne Probleme bewältigenden Sopran, Legatokultur und einem samtweichen Timbre zum Niederknien. Da nimmt man die etwas kurz angebundene Höhe gern in Kauf. Am meisten Applaus erhielt jedoch Franco Vassallo, der für den erkrankten Quinn Kelsey einsprang – und das vollkommen zurecht. Schade, dass die Partie des Don Carlos etwas kurz ist, denn man hätte gern mehr von diesem kraftvollen Bariton gehört, der innerhalb einer Phrase alle möglichen Dynamiken abzudecken in der Lage war.

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