Giulietta e Romeo / Schwetzingen (2.12.2016)

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  • December 3, 2016

Bereits zu Pfingsten präsentierte Salzburg die Ausgrabung eines Werkes “des Überganges eines Komponisten, der hinsichtlich seiner ästhetische Prägung eindeutig im ausgehenden Barockzeitalter wurzelt, gleichzeitig aber mit wachem Geist die musikästhetischen Entwicklungen seiner Zeit verfolgte und der prägende Lehrer zweier der bedeutendsten Komponisten der Belcanto-Oper des ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (V. Bellini, S. Mercadante) war.” (Homepage Theater Heidelberg) Und obwohl Heidelberg nicht die Mittel der glamourösen Festspielen an der Salzach besitzt, muss sich das kleine Haus nicht hinter den big names verstecken.

Zuallererst nimmt die Musik von Niccolò Antonio Zingarelli ein – sicher auch Gebrauchsmusik, aber dennoch mit großem Gespür für Theatralik. Somit können die Noten die wirklich schmerzhaften Bearbeitungen des Shakespeare-Stoffes überwiegend vergessen machen. Mit Ausnahme ein paar weniger “trockener” Rezitative erinnert tatsächlich einiges an italienischen Belcanto – die Verzierungen in der (leider einzigen) großen Julia-Arie  zu Ende des zweiten Aktes klingen nach Rossini, und die anglo-französische Mezzosopranistin Emilie Renard berührt hierin mit warmen Tönen. Ihren Liebhaber Romeo singt (der hauseigene Countertenot – wo gibt’s denn das sonst ?) Kangmin Justin Kim mit ordentlicher Attacke, Süßholzraspeln ist zu Beginn weniger, gen Ende dann umso mehr seine Stärke. Seine zehnminütige Arie zu Beginn des dritten Aktes mutet mit dem dunklen Vorspiel und der späten Steigerung in Ekstase fast ein wenig wie ein verfrühter Fidelio-Beethoven an. Die großen Duette zwischen beiden Titelfiguren sind dann allerdings Bellini pur. Felice Venanzoni leitet das Orchester umsichtig – und man vernimmt erneut eine Steigerung. Während es vor drei, vier Jahren bei den Barockopern im Graben durchaus dann und wann einmal wackelte oder Saiten zu vernehmbar kratzen, fügt sich hier alles zu einem großen Ganzen, ohne dass die stilistische Vielfalt der Klänge irgendwie “gleichgeschaltet” klingen.

In den kleineren Partien gibt es keine Aussetzer, sondern unglaublich viel Talent mit “bitte wiederkommen-Potential” zu entdecken. Einzig Terry Wey als zweitem Countertenor in der Rolle des Gilberto konnte ich wenig abgewinnen. Rinnat Moriah präsentiert sich als höhensichere “Amme” Matilda, und Zachary Wilder als energischer Vater Julias, Everado, der die vertrackte Hass-Arie mit viel Agilità bewältigt. Mein persönlicher “Held” (aber da bin ich etwas eigen): Namwohn Huh als Teobaldo, der Verlobter Julias. Die viel zu kurze Arie mit Chor hat in ihrer Kraft etwas von “Di quella pira” – und Huh krönt sie mit einem ewig lang gehaltenen Spitzenton (ein d ?). Leider muss er (also Teobaldo, nicht Huh) schon vor der Pause in die ewigen Jagdgründe eingehen……

Die Regisseure Nadja Loschky und Thomas Wilhelm erzählen die Geschichte so gut es geht nach, peppen sie durch unglaublich kraftvolle, gut choreographierte Fechtszenen auf. Zusammen mit einem schön anzuschauenden Bühnenbild (Daniela Kerck) ergibt dies ein tolles Gesamtpaket.

 

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