Tosca / Mannheim (27.11.2016)

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  • November 28, 2016

Im Gegensatz zur missglückten “Aida”-Spielzeitpremiere konnte Intendant Puhlmann mit dem ersten FOA (Festlichen Opernabend) einen Erfolg verzeichnen. Mit feinem Gespür für die Theatralik der Handlung leitete dabei Benjamin Reiners das Orchester des Nationaltheaters – nie hatte man Angst, ein Sänger käme in die Bredrouille. Das ist bei jener Art von Aufführungen besonders entscheidend, wenn Gastsänger “ihr Ding” durchziehen und es holprig werden kann.

Neben einem eher blassen Spoletta (Uwe Eikötter), dem unangenehm nasalen Angelotti (John In Eichen) und einem gewitzt-prägnanten Meßner (Joachim Goltz) war der erste Gast – wenngleich regulär, da auch in den Repertoireaufführungen eingesetzt – Irakli Kakhidze als Cavaradossi. Der Georgier wird ab Dezember als “Lucia”-Edgardo Verwendung finden. Und so klingt dann sein Tenor am Anfang auch eher leicht, fast schwächer als der Meßner, kann aber an entscheidenden Stellen imposant aufdrehen. Der etwas weinerlich-sentimentale Tonfall im dritten Akt ist Geschmackssache, aber ansonsten eine solide Hausbesetzung, die – so wurde mir berichtet – im direkten Vergleich zur vorherigen Aufführung noch einmal eine Schippe drauflegen konnte.

Und angesichts der Gäste war dies auch nötig. Tatjana Serjan gab eine exaltierte Primadonna mit darstellerischem Gespür für die großen Momente, bei den leisen Momenten überzeugt sie stimmlich noch mehr. Ihr “Vissi d’arte” wurde zurecht bejubelt. Einziger Wermutstropfen: bei der dramatischen Höhe merkt man neben einiger Schärfen, wie viel Konzentration sie aufbringen muss. Dass trotzdem alles ordentlich gelingt, spricht für Frau Serjan, aber nicht unbedingt für das Attribut “festlich”.

Interessant aber lohnenswert die Besetzung des Scarpias mit Michael Volle. Die Wotane und Sachse hört man insofern, als dass das ehemalige NTM-Ensemblemitglied keine Mühe hat, sich stimmlich in Szene zu setzen. Selbst bei Te Deum, wo die meisten Scarpias sich ja irgendwie durchschummeln, ist Volle klar zu vernehmen. Ungewohnt auch die darstellerische Herangehensweise: es gibt ja diese masochistischen Scarpias und die barocken Scarpias – und Volle ist keins von beiden. Da singt ein Schreibtischtäter mit protestantischer Arbeitsethik, der selbst im zweiten Akt vergleichsweise zurückhaltend bleibt. Eine durch und durch überzeugende Sichtweise, die leider durch das zu offene Bühnenbild konterkariert wird, fehlt doch die Enge, das klaustrophobische Element, das Tosca in die Enge treibt.

Gleichwohl: ein gelungener Abend, der den Mehrpreis durchaus lohnte.

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