Norma / Baden-Baden (10.11.2016)

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  • November 11, 2016

Präsident Trump. Präsident Trump. Das kommt einem schwer über die Lippen, so unfassbar erscheint es. Ähnlich erging es Opernliebhabern, insbesondere Belcanto-Kennern, als sie von Cecilia Bartolis neuem Unterfangen hörten, die Callas-Partie schlechthin in Angriff zu nehmen. Bartoli als Norma ? Glücklicherweise fügt sich die musikalische Kombination weitaus besser zusammen als die politische. Die Grundannahme, dass die Norma als ältere Priesterin von einem Mezzo, die jüngere Rivalin hingegen von einem Sopran gesungen wird, ist nachvollziehbar und fügt sich in die Besetzungspolitik der Uraufführung. Allerdings fehlt Bartoli in rein stimmlicher Hinsicht doch ein wenig der dramatische “Bums” für diese Partie – im großen Festspielhaus Baden-Baden noch mehr als im kleinen Haus für Mozart in Salzburg. Das soll nicht heißen, dass von der Bartoli’schen Interpretation keine Dramatik ausginge, ganz im Gegenteil. Allerdings handelt es sich bei der erlebten Dramatik um jene Leichtigkeit einer dramatischen Rossini-Oper und nicht die Gewalt eines Verismo-Vorvorgängers. In der Kombination mit einem absolut verinnerlichten Bewusstseins um die psychologischen Feinheiten ihrer Partie spielt diese neue Perspektive und der von Anfang an erwartbare Mangel an transponierten Hochtönen sowieso keine Rolle mehr. Diese hunderprozentige Rollenidentifikation macht sprach-, fast atemlos – und das vollkommen unabhängig von den bisherigen Hörgewohnheiten.

Und so kommt es, dass die anderen Sänger fast zu blass im direkten Vergleich wirken: Norman Reinhardt steht nach der Salzburger “West Side story” erneut als Bartolis Lover auf der Bühne und gibt dem römischen Feldherren Pollione die notwendige Arschloch-Attitüde, inklusive aalglatter Tongebung, allerdings ohne den Feinschliff der Salzburger Premierenbesetzung (John Osborn). Erneut ist sein Objekt der Begierde Rebeca Olvera mit einem mädchenhaft-leichten Sopran – vollkommen naiv und mitleiderregend. Keine wirkliche Konkurrenz, weder zu Bartoli noch zu Norma.

I Barocchisti spielen unter der Leitung Gianluca Capuanos zu Beginn fast ein wenig zu ruppig-historisch informiert, nach einer Weile legt sich das aber und eine solide Begleitung der Sänger ist zu vernehmen. Wie schon beim letzten Mal konnte ich mich mit dem fast beschwingten “Guerra”-Chor im zweiten Akt nicht anfreunden, aber auch dies dürfte der musikalischen Herangehenweise geschuldet sein.

Enthusiastischer Beifall für alle Beteiligten, allerdings unerwartet viele Buhrufe für das Regieteam unter der Leitung von Patrice Caurier und Moshe Leiser – erwarten die Leute tatsächlich eine keltische Asterix-Geschichte ? Wer sich von einer gemäßigt modernen Perspektive nicht abgeschreckt fühlt, für den gibt es am morgigen Samstag einen zweiten Durchgang. Hingehen, es lohnt sich !

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