Attila (Premiere) / Kaiserslautern (17.9.2016)

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  • September 18, 2016

Bei der Rocky Horror Show gibt es die Rolle des Erzählers – und für das Publikum gibt es die Möglichkeit, das Bühnengeschehen lautstark mit”boring” bzw. “langweilig” zu kommentieren. Dummerweise zeigte Kaiserslautern kein Musical, sondern die Verdi’sche Oper über den sagenumwobenen Hunnen Attila, der Rom erheblich zusetzte. Die Handlung ist etwas wirr, der Feinschliff bei den Charakteren fehlt – geschenkt. Wir haben es dennoch mit einer überaus ansprechenden Partitur zu tun – das Stück erlebt zur Zeit eine durchaus nachvollziehbare deutschlandweite Renaissance (Lübeck, Nürnberg).Leider verschenkt “Regisseur” (ist das eigentlich eine eingetragene bzw. geschützte Berufsbezeichnung ?) Bruno Klimek vollständig. Wer die Inhaltsangabe zuvor nicht gelesen hat, ist aufgeschmissen – es hat den Anschein, als hätte Klimek mit dem Stück so gar nichts anfangen können. Und so lässt er den ganzen Abend den Chor und Statisterie aus dem Bühnenhintergrund nach vorne laufen, mal hinfallen (gerne im Embryonenhaltung), aufstehen, sich umdrehen und wieder abgehen. Ein kleines, rotes Rinnsal vor der Bühne verdeutlicht den ständig fließenden Blutverlust.So weit, so schlecht. Besonders haarsträubend ist hingegen die vollkommen undefinierte Personenregie, bei der wirklich jede Hauptpartie belanglos, austauschbar, beliebig erscheint. Feinzeichnung oder wenigstens Grobcharakterisierung findet maximal im Programmheft, nicht jedoch dort statt, wo sie hingehört, nämlich auf die Bühne. Und so rumpelt der Abend von x-beliebiger zu y-beliebiger Szene, einzig und allein aufgeheitert durch den Pausengong. Wie gesagt: bei der Rocky Horror Show hätte man einfach reinrufen können. Stattdessen muss der gute Pfälzer Wein herhalten.

Sängerisch begannen eigentlich alle bis auf den noblen, aber slawisch-gutturalen Bariton von Michael Bachtadze als Ezio schwach, so als gäbe es kein Einsingen. Besonders leidet darunter die Odabella von Yamina Maamar – dummerweise fehlt in der großen, weiß Gott nicht einfachen Arie gleich zu Beginn alles, was man bräuchte: Kraft, Höhe und Agilität. Statt dessen vernimmt man viel heiße Luft, dünne Höhen und keinerlei Verzierungen oder Variationen. Paulo Ferreiras (Floresto) etwas blecherner Tenor klingt zu Beginn ebenfalls nur begrenzt annehmbar, steigert sich aber (oder ich gewöhnte mich einfach nur dran) und – und dies sei lobenswert erwähnt – hat immerhin den Mut zu hohen Tönen. Wieland Satter ist Bassbariton und besitzt konsequenterweise nicht die nötige, dunkle Autorität, nach der die Titelpartie nun einmal verlangt. Auch er beginnt verhalten, kann nach der Pause aber mit mehr Legato aufwarten. Italienische Gesangskultur hört sich trotzdem anders an…..

Das einzig rundum überzeugende Element war das Orchester unter der Leitung des GMD. Uwe Sandner verfällt nicht der Versuchung, dem gefälligen wie gefährlichen Militarismus der Musik blind zu folgen, sondern interpretiert ihn als eine Art Vorstudie zu Macbeth. Wahnsinn, Grausamkeit klingen stets mit, egal wie optimistisch es die Partitur auch krachen mag. Allein, das reicht hinten und vorne nicht, den Abend einigermaßen erträglich zu machen.

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