Die Walküre (1.Akt) / Berlin (7.9.2016)

  • 3
  • September 9, 2016

Womit koppelt man einen konzertanten ersten Walküren-Akt ? Auf dem Musikfest Berlin entschloss man sich, der inzestuösen Liebeserzählung die “Sphärenmusik” eines gewissen Rued Iammanuel Langgaard voranzustellen. Gerade beim gehetzten Vorspiel zur Walküre gab es da ein paar Parallelen zu entdecken, aber das war es auch. Das Frühwerk (entstanden während des ersten Weltkriegs) des dänischen Spätromantikers findet selten zu einer eignen Musiksprache – man hört viel Strauss (ohne die Feinzeichnung), Debussy (ohne dessen Genialität), John Adams (ohne dessen Unerbittlichkeit bei der Repetition), auch kurz Naturschilderungen à la Smetana oder den Bombast der “Planeten” von Holst – aber letztlich klingt vieles zu gewollt. Gleichwohl verfliegen die vierzig Minuten relativ zügig – und wenn wir ehrlich sind, dann dürften die allermeisten Zuschauer in der ziemlich vollen Philharmonie wegen des zweiten Teils gekommen sein.

Das Orchester der Deutschen Oper spielt unter der Leitung seines GMD Donald Runnicles phasenweise um sein Leben, da verzieht man ein, zwei kleinere Unsauberkeiten sehr, sehr bereitwillig und gerne. Die eigentliche Leistung Runnicles’ bestand allerdings in der Koordination mit Peter Seiffert, da dieser trotz Noten rhythmisch mehr als einmal schwächelte. Schon das “ein Quell, ein ein Quell” kam zu spät, kurz darauf (war es vor “einen Unseligen labtest du” ?) muss Runnicles, bis in die letzte Reihe sichtbar, beinahe abbrechen und Seiffert zuwinken. Insofern ist Seifferts stoische Ruhe noch bewundernswerter, denn von da an zeigt der Sympathieträger einen Siegmund vom Feinsten – kein grübelnder Intellektueller, sondern ein unbekümmerter Schützer der Schwachen. Vielleicht geht auch deshalb seine Erzählung über das zwangsverheiratete “traurige Kind” wie selten zu Herzen. Die Wälserufe kann Seiffert zwei gefühlte Ewigkeiten lang halten, die Winterstürme mit Raffinesse und die Erkennungsszene am Ende mit drängender Potenz vortragen. Grandios.

Überrascht war ich von Georg Zeppenfelds Hunding. Zeppenfelds Bass hat in der Tiefe hörbar an Kraft gewonnen – die vorbildliche Textbehandlung (wie bei allen Beteiligten im übrigen) war zusätzlich klasse – wie er zum Beispiel das “verhasst” sing-spricht, hat fast Burgtheaterqualität.

Aber wenn wir alle ganz, ganz ehrlich sind, dann dürfte der Hauptgrund für viele Konzertgänger die Sieglinde von Anja Harteros gewesen sein. Die weite Anreise aus Karlsruhe hat sich definitiv gelohnt – die einzige Überraschung war, wie mühelos und fast schon routiniert sie die Partie sang. An Stellen, die zum unnötigen Forcieren verlocken (“Ha, wer ging, wer kam herein?”), lässt sie sich gar nicht erst dazu verleiten. “Der Männer Sippe” klingt unfassbar präsent und gen Ende blüht die Stimme zunehmend auf – es ist ein “hehrstes Wunder” auch ganz ohne dritten Akt. Genau wie Seiffert auch merkt man, dass die tiefen Stellen noch eher Herausforderungen darstellen (“tief hing ihm der Hut”) als die Höhen – somit sind sie auch in stimmlicher Hinsicht ein ideal zueinander passendes Wälsungenpaar.

Share Button
(Visited 202 times, 1 visits today)