Cristina, regina di Svezia / Oldenburg (3.9.2016)

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  • September 4, 2016

Jacopo Foroni dürfte auch hartgesottenen und weitgereisten Operngängern so ziemlich unbekannt sein. Dabei kann seine Oper, irgendwo zwischen Belcanto und frühem Verdi angesiedelt, über die schwedische Königin Christina bezüglich Hofintrigen, amourösen Verwicklungen und bestechenden Melodien durchaus mit den “englischen” Königsopern Donizettis mithalten. Christina wurde wie ein Kronprinz ausgebildet und übernahm bereits mit 18 Jahren die Herrschaft über das damalige Ostseeimperium – ihr Porträt ziert bereits  zu Beginn der Aufführung (und den leider etwas zähen Umbaupausen) den Vorhang und zeigt eine androgyne Herrscherin. Kein Wunder, dass das Liebesleben der Monarchin besonders… nun, nennen wir es einmal “delikat” war.

Die erdrückende Macht der Geschichte zeigt Regisseur Michael Sturm anschaulich in einem ästhetischen (Thron)Saal mit goldumrahmten Herrscherbilden.  Dass zwischendrin auch eher Stehtheater zu beobachten ist, schmälert den ansonsten gelungenen Eindruck der Produktion nur marginal, eher fallen da die schon erwähnten Umbaubausen ins Gewicht, die unnötig Tempo aus der Handlung nehmen. Carlos Vazquez am Dirigentenpult kann die Spannung jedoch stets aufrecht halten.

In der Wiederaufnahme sang Helena Dix die Titelpartie. Durch ihr kompaktes Äußeres gibt sie der Rolle ein sehr herbes Erscheinungsbild, das, vorsichtig ausgedrückt, nicht ganz mit der fast knabenhaften Zeichnung des Gemäldes korreliert. Fast wie eine männerfressende Lesbe dominiert sie den Hof und wirkt zu Beginn extrem unausstehlich – auch stimmlich – und im Hosenanzug unansehnlich. Im zweiten Teil zeigt sie dann optisch ihre weibliche Seite und verzaubert – anders kann man es nicht sagen – mit extrem warmer Tongebung, flexibler Stimmführung. Eine echte Entdeckung ! Leider hat Maria, Christinas Gegenspielerin, nicht viel zu singen; ihrem Mezzo hätte man gerne länger gelauscht. Gabriel, das Liebesobjekt beider Damen, singt der Tenor Paolo Ferreira mit imposanter Mittellage, aber etwas kurzatmiger Höhe. Deutlich imposanter klingt da schon Daniel Moon, der mit kernigem Bariton vergeblich um Christinas Liebe wirbt.

Zum lieto fine dankt Christina ab und läuft zu ihrem kindlichen Alter Ego, das bereits in der bebilderten Ouvertüre zu sehen war. Ein starkes Bild und ein starker Abend.

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