Il templario / Salzburg (27.8.2016)

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  • August 28, 2016

Warum eigentlich nicht ? Wenn Verdi mit “Don Carlos” eine der besten französischsprachigen Opern schaffen konnte, warum sollte dann Otto Nicolai, Komponist der “Lustigen Weiber von Windsor” nicht ebenfalls höchst erfolgreich auf fremden Terrain wildern und mit der Vertonung von “Ivanhoe” ein veritables Glanzstück abliefern ? Dieser “Templario” – so heißt die Oper im italienischen Original – ist in dramaturgischer Hinsicht natürlich alles andere als perfekt, aber in kompositorischer Hinsicht bemerkenswert und vielen zeitgenössischen Belcanto-Opern weit überlegen.

Die brillant aufspielenden Wiener Philharmoniker lassen die Partitur ansatzweise “wagnern” – aber nicht zu sehr, daran hat Andrés Orozco-Estrada am Pult großen Anteil. Luftig-leicht die Flöte, warm das Horn, intensiv das Cello, es ist eine wahre Freude, bereits bei der Ouvertüre Klängen zu lauschen, die ganz abseits des immer wieder zu vernehmenden “Humtatas” bei zeitgenössischen Italienern liegen.

Kristiane Kaiser präsentiert in der Rolle der Rovena einen biegsamen, höhensicheren und samtenen Sopran, während Clemenine Margaine als deren amouröse Konkurrentin einen in jeder Lage sicheren, vollmundigen Mezzo darbot. Die Enttäuschung über ursprünglich angesetzte Joyce diDonato war somit rasch verflogen – das mehr an Starpower hätte wohl kaum ausgereicht, das riesige Festspielhaus dezibeltechnisch zu füllen. Und da wären wir auch beim einzigen Fragezeichen des Abends, falls man das bei Juan Diego Florez so sagen möchte. Zu der wie stets imposanten Höhe hat sich eine fast noch ansprechendere Mittellage gesellt, aber hinsichtlich der Stimmgröße fällt Florez im Vergleich zu seinen Kollegen etwas zu sehr ab – im Rahmen einer historisch informierten Aufführung mit kleinerem Orchester und Chor (Salzburger Bachchor mit übrigens 70 Sängern) und an einem kleineren Haus sähe die Sache bestimmt anders aus. den für November angeplanten Raoul in den “Hugenotten” habe ich nicht raushören können….. Dabei hat Florez noch zusätzlich das “Pech”, mit Luca Salsi einen Kollegen zu haben, der ein intensives Portät seines Bühnengegenspielers Briano zeichnet. Falls jemand die vermeintliche Absenz kompetenter Verdi-Baritöne beklagen möchte, der sei auf diesen nie forcierend-bellenden, sondern mit erstklassigem Legato und Ausdruck ausgestatteten Italiener verwiesen.

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