Il matrimonio segreto / Innsbruck (14.8.2016)

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  • August 16, 2016

Ein Meer von glücklichen Zuschauern applaudierte am Ende einer Aufführung der “heimlichen Ehe” – verständlicherweise. Aber…..

Domenico Cimarosas opera buffa erinnert in den Ensembleszenen häufig an eine Mischung aus Mozart und Rossini-Figaro. Allerdings beträgt die reine Spielzeit knapp 200 Minuten – was einem “Tannhäuser” entspricht. Der liegt zwar schwerer im Magen beziehungsweise im Ohr, hat aber zwei Pause zur zwischenzeitlichen Erholung. Wenn man dem Dirigenten Alessandro De Marchi und dem Regisseur Renaud Doucet einen Vorwurf machen wollte, dann dass man sich dazu entschloss, das Werk ungekürzt zu präsentieren. Ein idealer Beleg dafür, dass sich  historische Akkuratheit in der Aufführungspraxis mit den dramaturgischen Anforderungen der Jetztzeit durchaus beißen kann.

Sieht man über die Längen der Aufführung hinweg, die ja nichts mit den Akteuren oder der Produktion zu tun haben, dann bleibt eine Regie, der trotzdem nie die Puste ausgeht. Die Handlung wird in einen Hühnerstall verlegt, was gut funktioniert. Denn anstatt einen nach dem anderen Hühnergag abzuspulen, werden die Charaktere individuell und überaus menschlich gezeichnet – bereits nach einer Viertelstunde sind die Hahnen- und Hennenroben einfach nur schmucke Kostüme und fernab jeglichen Selbstzwecks. Toll! De Marchi leitet “seine” Academia Montis Regalis mit Umsicht, Spielfreude und Witz. Ein himmelweiter Unterschied zu den breiigen Aufnahmen, die da auf dem Markt kursieren, allein schon bei den luizid aufspielenden Streichern, der federnden Pauke und den jagdlichen Blechklängen.

Der Star der Produktion, Vesselina Kasarova, hatte kurz vor der Premiere abgesagt und wurde in stimmlicher Hinsicht mehr als adäquat durch Loriana Castellano in der Partie der Fidalma ersetzt. Die Bühnenpräsenz einer Kasarova besitzt sie nicht, aber ich behaupte mal, dass sie die Koraturen womöglich besser hinbekommen hat als die ursprünglich angesetzte Bulgarin. Bariton Renato Girolami als Graf Robinson und Bass Donato di Stefano Geronimo liefern sich ein umwerfendes Comedy-Duell, das bei aller Körperlichkeit und Überdrehtheit nie auf Kosten des Legatos oder der Klangschönheit geht. Die beiden umworbenen Schwestern waren mit Giulia Semenzato (Carolina) und Klara Ek (Lisetta) ebenfalls fabelhaft besetzt – auch hier wüsste ich nicht, wem ich den Vorzug geben wollte, so astrein wirbeln sie sich über die Bühne und durch die Koloraturen. Der resonanzarme und höhenschwache Paolino von Jesus Alvarez konnte das überzeugende Gesamtbild nicht wirklich trüben.

 

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