Oberto / Heidenheim (4.8.2016)

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  • August 5, 2016

“Als Kammerspiel inszeniert” – man kann “halbszenisch” auch einfacher ausdrücken. Aber in Heidenheim, einer Mittelstadt auf der schwäbischen Ostalb ohne Theater, geschweige denn Opernhaus, ist eine derartige Bezeichnung wohl immer noch unabdingbar. Zum ersten Mal entschied man sich, zusätzlich zur szenischen Freilicht-Produktion (“La Boheme”) auch eine halbszenische Oper zu präsentieren. Die Wahl fiel auf Giuseppe Verdis Erstlingswerk; in den nächsten Spielzeiten stehen weitere Opern aus Verdis Galeerenjahren an.

Regisseur Tobias Heyder kann wenig für die Handlungsarmut und die doch arg konfuse Story – man kann der Handlung doch ansatzweise folgen. Fragt sich, ob eine rein konzertante Fassung nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre. In der Titelpartie hört man Woong-jo Choi mit einem imposantem Bass, im ersten Akt jedoch etwas pauschalem Vortrag. Die große Szene im zweiten Akt gelingt aber dann auch in interpretatorischer Hinsicht solide. Ebenfalls etwas grobschlächtig startete Adrian Dumitru als untreuer Riccardo in den Abend – dummerweise befindet sich seine große Arie gleich zu Beginn der Oper. Als enttäuschend empfand ich Anna Princeva als Leonora. Ihr Sopran besitzt Flexibilität aber so gut wie gar keine Höhe – und gerade bei einem frühen Verdi erwarte ich die einfach. Princeva bemüht sich nicht einmal, ein oder zweimal nach oben zu gehen. Sehr schade. Bemerkenswert hingegen Katerina Hebelkovas warmer Mezzo mit einer leicht zittrigen Höhe. Von dieser Cuniza hätte man gern mehr gehört.

So weit, so passabel. Was diesen Abend aber doch besonders prägte und Grund genug für die konzipierte Reihe ist, das ist das Dirigat von Marcus Bosch und der Cappella Aquileia. Trotz aller Dramatik klingt das Spiel nie nach krachigem Humptata, sondern bleibt stets leicht federnd. Eine wahre Freude.

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