Sigismondo / Bad Wildbad (24.7.2016)

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  • July 24, 2016

Bei der Uraufführung war “Sigismondo” ein Flop – und blieb es auch danach. Auch nach dem diesjährigen Ehrenrettungsversuch wird sich daran wenig ändern, was kein Schaden darstellt.  Allerdings entpuppte  sich das Werk als Steinbruch für zahlreiche Folgewerke Rossinis, insofern ist diese Oper für Belcanto-Fans eher ein musikalisches Wiederentdeckungsspiel als Anreiz zu weiteren Neuproduktionen. Um es klar zu sagen: die Schwäche des Werkes ist sein unsagbar krudes Libretto – ganz gleich, wie überzeugend und anregend die einzelnen Nummern sind.

Intendant Jochen Schönleber macht als Regisseur noch das beste draus, indem er nichts mehr draus macht als drin steckt und einfach erzählt, was passiert. Trotzdem wäre hier eine konzertante Lösung besser gewesen als bei der gestrigen “Bianca”-Produktion. Das Dirigat von Antonino Fogliani war nicht ganz so rund wie am Abend zuvor, aber das dürfte womöglich auch der Dauerbelastung geschuldet sein. Mehr italienischer Esprit gibt es in Deutschland eigentlich nicht zu hören. Ein glückliches Händchen bewies man mit den Besetzungen. Kenneth Tarver gibt den Fiesling Ladislao mit kerniger Mittellage und trotz fortgeschrittenen Alters mit solider Höhe. Ein erfreuliches Wiedersehen (und -hören !) gab es mit Margarita Gritskova von der Wiener Staatsoper. In der Hosenrolle präsentiert sie einen in allen Lagen souveränen Mezzosopran – besonder die kraftvolle Höhe imponiert. Am gespanntesten war ich auf Maria Aleida, von der es eine packende “Aureliano in Palmira”-Aufnahme gibt, in der sie einem schier den Atem raubt. Zwar fällt auf, dass die Tonproduktion bei länger gehaltenen Tönen zu Wacklern tendiert, aber je schneller es wird, desto wohler fürhlt sich dieser kubanische Sopran, der einem an diesem Nachmittag mehr Spitzentöne präsentiert als in den großen Häusern. Allein ihr zuliebe werde ich mir wohl doch die CD-Aufzeichnung zulegen müssen.

Fazit: Wildbad hat nach der gelungenen Spielzeit letzes Jahr noch eine Schippe drauf legen können. Glückwunsch und danke !

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