Maxim Mironov / Bad Wildbad (21.7.2016)

  • 0
  • July 23, 2016

“Arien für Rubini” lautet eine der vielen Recitals von Juan Diego Florez. Dem legendären  Belcanto-Tenor widmete im Rahmen der diesjährigen Rossini-Festspiele nun auch Maxim Mironov eine Hommage – allerdings unter ganz andren Vorzeichen.

Denn von den insgesamt zehn Arien stammen gerade einmal drei von Rossini. Neben den ebenfalls geläufigen Komponisten Bellini und Donizetti finden sich auch Raritäten von Neidermeyer, Balfe, Balducci, Pacini und Mercadante. Ein typisches Wildbad-Programm eben, das nicht auf die bekannten Nummern schielt, sondern immer auch “archivarischen” Anspruch besitzt. Der junge Russe besitzt einen Tenor, der einiges mit dem jungen Florez gemein hat, aber doch vollkommen eigenständig klingt. Da fällt zum ersten einmal die Absenz der Tiefe, eine durchaus feste und kraftvolle Mittellage und eine biegsame Höge auf. Zum anderen bemerkt man, und dies war in meinen Ohren das Erstaunliche, wie leicht und natürlich diese Höhe bei Mironov klingt. Bei vielen Rossini-Tenören klingt sie Höhe immer etwas angespannt, unnatürlich (William Matteuzzi) oder krampfhaft (Chris Merritt) – hier jedoch organisch, dabei reihen sich die Spitzentöne perfekt in die anderen Stimmlagen ein, so dass die besagten Höhen oftmals fast antiklimaktisch erscheinen, so locker-leicht kommen sie Mironov über die (Stimm-)Lippen.

Mit Ausnahme des Gualtiero aus “Il pirata” – hier ziehe ich eindeutig eine maskulinere, brusttonlastigere Stimme vor – überzeugte mich Mironov in jeder “Nummer”. Schon bei den ersten beiden “Aufwärmarien” war die Stimme präsent und steigert sich dann nach und nach. Die Fenton-Arie  – freilich nicht aus der Feder Verdis, sondern des Engländers Michael Balfe – widerlegt dann das Bonmot vom “Land ohne Musik” gekonnt. Höhepunkt des Abends nach meinem Geschmack war dann die letzte Arie vor der Pause – “Niobe” von Giovanni Pacini. Hier verblüffen gleich zwei Beobachtungen auf einmal. Zum einen, mit welcher Leichtigkeit Mironov hohe Töne aus dem Nichts ansetzen kann – da wirkt das “Gott” in der Florestan-Arie im “Fidelio” richtig harmlos – und zum anderen die Fähigkeit, auf diesen hohen Tönen – und nochmals zu Erinnerung: wir reden hier über das hohe c, des, d und es – auch noch makellos intonierte Triller zu setzen.

Der Camerata Bach Chor unterstützte Mironov dabei im zweiten Teil, die Virtuosi Brunenses wurden gekonnt von José Sierra geleitet. Es ist zu hoffen, dass die CD-Aufnahme dieses Abends schneller auf den Markt kommt als das vorvorjährige, zweiteilige Michael-Spyres-Recital, auf dessen Veröffentlichung Belcanto-Fans immer noch sehnsüchtig warten.

Share Button
(Visited 104 times, 1 visits today)