Gala / Baden-Baden (22.7.2016)

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  • July 23, 2016

Verderben zu viele Köche wirklich den Brei ? Ist es nicht einfach Protzerei, sich zum Ende der Saison große Namen einzukaufen und dann ein paar der üblichen Klassiker zu spielen ? Das Festspielhaus schreibt auf seiner Homepage, “dass sich auch Spitzenkräfte im unmittelbaren Vergleich mit Kollegen oft zu noch außergewöhnlicheren Höchstleistungen anspornen lassen” – und hat dabei ins Schwarze getroffen. Hier kann sich keiner der vier hochkarätigen (und -preisigen)  Stars Jonas Kaufmann, Ekatarina Gubanova, Bryn Terfel oder Anja Harteros auf den Lorbeeren ausruhen und es tut auch keiner.

Die Absage Garancas hatte mich nicht sonderlich bekümmert. Sicher wäre so manche Nummer mit Garanca interessanter gewesen – aber auch besser ? Spätestens nach ihrem packenden “Don fatale” hatte Ekatarina Gubanova den Saal ganz auf ihrer Seite, aber schon ihre beiden Duetten mit Kaufmann – einmal in “Adriana Lecouvreur”, einmal in “Cavalleria rusticana” – gestaltet sie zu kleinen Minidramen. Eine satte Tiefe mit einer gut sitzenden Höhe hat man eben nicht alle Tage, was für die “Habanera” als Zugabe ja nicht die schlechteste Voraussetzung ist.

Jonas Kaufmann hat mich erst zum Schluss überzeugt. Ich kann mir nicht helfen und will es auch gar nicht mehr. Sein “E luccevan le stelle” klingt mittlerweile, als ob Puccini eine ossia-Fassung für Bariton hinterlassen hätte. Der Gebrauch des Tablet-Notenständers  bei den genannten Duetten mit Gubanova sowie dem “Gia nella notte densa” aus “Otello” war nicht wirklich notwendig, aber doch etwas störend. Hier schien mir das abdunkelte Timbre Kaufmanns, warum auch immer, plausibler und überzeugend. Richtig klasse dann die Zugabe des “Parla piu piano” – wie Kaufmann diese Schnulze veredelt, ohne dass es nach Edelkitsch klingt, das ist fast schon große Kunst.

Anja Harteros zu loben ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Bereits  mit der Hallenarie aus “Tannhäuser” (leider der einzige Wagner an diesem Abend) ruft sie alle ihre Stärken ab: das perfekte Legato, die kraftvolle, aber eben nie schreiende Höhe, das warme Timbre, das elegante Piano, das aber immer hörbar bleibt. Ob einem nun die zweite Amelia-Arie oder das “Vissi d’arte” besser gefallen hat, dürfte reine Geschmacksfrage sein. Bei ihrem Duett mit Terfels Scarpia zeigt sie zudem, dass sie nicht nur die leidend-duldende Frau spielen kann.

Am höchsten in der Gunst des Publikums rangierte nach meinem Empfinden Bryn Terfel – in meiner sowieso. Die beiden Teufelsarien aus “Mefistofele” und “Faust” garniert er mit einer derart intensiven Lust am Bösen, gewollt “schmutzigen” Klängen und einem wilden Pfeifkonzert bei erstgenanntem Werk, dass das Publikum glatt zurückpfeift. Irre. Ganz verinnerlicht, ohne irgendwelche äußeren Regungen dann hingegen eine Darbietung der Filippo-Arie.  Und zum Abschluss folgte ein extrem textverständlicher, vielleicht eher walisischer als jüdischer Tevje aus “Anatevka”, dem das Publikum zu Füßen lag.

Das abschließende “Dein ist mein ganzes Herz” hatte für meinen Geschmack ein bisschen zuviel Klamauk, klang aber imposant.  Gleiches lässt sich über die solide aufspielende Badische Staatskapelle unter der Leitung von Marco Armillato sagen. Ein besonderes Lob muss an dieser Stelle an das Solo-Cello (Thomas Gieron ?) gerichtet werden.

Fazit: eine Gala, die eine wirkliche Gala war und deren Ausstrahlung man auf keinen Fall versäumen sollte!

 

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