Mitridate / Schwetzingen (19.7.2016)

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  • July 20, 2016

Nur drei Tage, aber ein himmelweiter Unterschied lag zwischen der Premiere des “Idomeneo” und der Wiederaufnahme des “Mitridate”. Das Erstaunliche: obwohl kompositorisch kleine Welten zwischen den beiden Opern liegen, gab das Jugendwerk Mozarts – bei der Komposition gerade einmal 14 Jahre als ! – den geglückteren Eindruck ab.Woran das gelegen haben mag ? Sicher am genius loci; Schwetzingen ist einfach eine geniale Location für barocke und klassische Opern. Aber das alleine war es nicht. Schon bei den ersten Klängen aus dem Graben zeigte sich ein gänzlich konträres Mozartverständnis als noch im Nationaltheater. Ruben Dubrovsky lässt historisch informiert aufspielen und das mit einer Lust un einer Energie, die einen schier in den Sitz drückt. Besonders nachhaltig bleibt dabei das Solohorn (Naturhorn, was sonst) in Erinnerung. Trotzdem bringt Dubrovsky keinen Sänger in Verlegenheit, übermäßig forcieren zu müssen. Daniel Jenz (Marzio) empfiehlt sich mit seinem frei fließenden Tenor für größere Partien, Antonio Giovannini (ist das eigentlich schon ein Sopranist oder “noch” ein Countertenor ?) verblüfft mit hohem, aber nie quietschigem Falsett als Arbate. Der Countertenor Clint van der Linde als Fiesling Farnace bekriegt sich in vokaler Hinsicht ebenbürtig mit seinem Bühnenbruder Mary-Ellen Nesi in der Hosenrolle des Sifare, um dessen Gunst Vera-Lotte Böcker, frisch zurück von ihrem Einspringer-Debüt an der Bayerischen Staatsoper, als Ismene eindrücklich wirbt. Schon vor zwei Jahren war Nesi für den dritten Countertenor im Bunde eingesprungen – die “Umbesetzung” hinsichtlich der Gender-Zuteilung ergibt Sinn, wenn der nice guy mit einer Frau besetzt wird. Astrid Kessler demonstriert im ersten Teil des Abends einen sehr dominanten Sopran, leider ist die Rolle im zweiten Teil bereits “auserzählt”. Einzige Schwachstelle war Mirko Roschkowski in der Titelpartie. Offensichtlich besitzt er momentan kein Fortune; bezeichnend, dass er beim Schlussapplaus im Kunstblut böse ausrutschte. Gerade in seiner letzten Arie glich jeder hohe Ton (die übrigens unglaublich schwer zu erreichen sein dürften – das muss gesagt sein) auf eine gewisse Weise russisches Roulette.
Die Inszenierung von Nicolas Brieger überzeugt mit solider Personenführung – trotz der teils langatmigen Arien kam keine Langeweile auf. Ein optisch ansprechendes Bühnenbild tat sein Übriges, den gestrigen Abend zu einem rundum gelungenen zu machen. Nur schade, dass sich so wenig Zuschauer einfanden.

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