Götterdämmerung / Frankfurt (17.7.2016)

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  • July 18, 2016

Ist es eine versteckte Bosheit der Regisseurin gegenüber dem Hausherrn, im letzten Bild der “Götterdämmerung” Alberich ausgerechnet der Intendantenloge entsteigen zu lassen ? Wie dem auch sei, das von Vera Nemirova  “umgeschriebene” Ende, statt Hagen Alberich die letzten Worte (“Zurück vom Ring!”) rufen zu lassen und wirkliche alle Charaktere am Ende zum großen Schlusstableau zu versammeln, das ist mehr als eindrücklich, auch wenn man wie ich nur den letzten Teil des diesjährigen Ringzyklus besuchen konnte und sich die intendierte Wirkung nicht ganz entfalten konnte. Gewiss, dieser Ring wird nicht wegen eines bestimmten dramaturgischen Leitgedankens, sondern wegen des imposanten Bühnenbildes in Erinnerung bleiben, aber allein beim Vorspiel zeigt Nemirova, wie man Statisten gekonnt, und nicht wie jüngst David Hermann beim Karlsruher “Rheingold” aktionistisch einbindet. Un endlich viele, kleine Details sorgen auch im vierten (?) Jahr nach der Premiere für einen kurzweiligen und spannenden Abend, woran sicher auch die Abendspielleitung einen gewissen Anteil haben dürfte.

In den meisten Partien wurde umbesetzt – und erneut bestätigt sich der Eindruck, dass Wiederaufnahmen in Frankfurt besser als die Premierenserie besetzt sind. Neben einem durchweg harmonischen Rheintöchtertrio (Jessica Strong, Jenny Carlstedt, Katharina Magiera) überzeugten auch Nornen 3 (Lise Davidsen) und 2 (Claudia Mahnke), letztere gibt als Waltraute eine zusätzliche Lehrstunde, wie Textdeutung und Musikalität eine untrennbare Einheit eingehen können. Einzig Meredith Arwady scheppert als erste Norne allzu blechern in der Höhe. Anna Gabler und Simon Bailey geben den Gibichungen starke Konturen, gleiches gilt für Falk Struckmann als deren Halbbruder Hagen. Auch wenn die eigentliche Basstiefe ein wenig fehlt, die Stimme wabert und die Aussprache wie eh und je kurios (aus “Speer” wird zum Beispiel “Speearrrr”) klingt: Struckmann rockt – ein Hagen zum Fürchten. Jochen Schmeckenbecher zeigt in seinem viel zu kurzen Auftritt als Alberich sein ganzes Können. Dem sympathischen Vincent Wolfsteiner liegt der Siegfried weitaus besser in der Kehle als noch sein Luigi im “Trittico”. Er führt seinen Tenor gepflegter und gibt dem Helden eine kindlichere Note als noch sein Vorgänger (Lance Ryan). Besonders wohltuend empfand ich den Besetzungswechsel bei der Brünnhilde. Rebecca Teem begann sehr zurückhaltend, krönte das Duett auf dem Brünnhildenfelsen mit einem bombensicheren hohen c. Ebenso wie Wolfensteiner besitzt sie eine kleinere, aber deutlich angenehmere Stimme, die am Ende etwas ermüdet. (Das hat sie aber mit Wolfsteiner und Struckmann gemein.) Im direkten Vergleich mit der altjüngferlichen Premieren-Brünnhilde (Susan Bullock) ist sie klar überlegen!

Sebastian Weigle war sehr darauf bedacht, dass sich die Sänger nicht allzu sehr verausgaben mussten, drehte bei den orchestralen Passagen dafür umso mehr auf.  Ein Dirigat, dass nicht auf vordergründigen Effekt setzte, sondern das Drama der letzten Abends der Tetralogie wirkungsvoll unterstützte. Der große Jubel für das gesamte Orchester beim Schlussapplaus war redlich verdient, ebenso wie für den kraftvollen Chor.

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