Idomeneo / Mannheim (16.7.2016)

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  • July 17, 2016

Als letzte Premiere für den scheidenden GMD und Eröffnung des diesjährigen Mannheimer Mozartsommers entschied man sich für eine Neuinszenierung des “Idomeneo”. Eine passende Wahl, hatte Mozart doch hier seine Inspiration für das erste seiner großen Werke erhalten.Das war es leider auch mit Inspiration, denn Regisseur Ingo Kerkhof fiel nicht sonderlich viel zum Plot ein. Im klassizistisch angehauchten Einheitsbühnenbild bewegt er die Figuren routiniert, aber ohne großes Interesse an psychologischen Details. Einzig das riesige Gemälde sticht hervor, aber dessen Sinnhaftigkeit bleibt rätselhaft. Dan Ettinger entschied sich – wenig überraschend – für eine eher romantisierende Lesart mit breiten, getragenen Tempi. Das Orchester folgt ihm aufmerksam und spielt unerwartet gut, ja geradezu unverschämt gut, wenn man die zahlreichen verkorksten Wagner-Aufführungen unter seiner Leitung denkt. Ob man diesen Ansatz goutiert oder nicht, das ist Geschmackssache. Mir gefiel es nicht, aber wen kümmert’s……
Mit dem GMD scheiden auch viele altbekannte Sänger, denen man noch einmal die große Bühne bieten wollte. Das spricht für die menschliche Seite des Nationaltheaters, allerdings nicht unbedingt für die künstlerische. Zwar gehen alle Sänger – mit einer Ausnahme – irgendwie in Ordnung, aber die Zusammenstellung will nicht so recht passen.
Juhan Trallas Idamamte klingt baritonaler, kräftiger und heldischer als sein Vater Idomeneo, leider ist die Aussprache sehr verwaschen. Ein grandioser Darsteller war er noch nie, so auch heute. Der Gast Mirko Roschkowski – in “Lakmé” (Metz) gefiel er mir außerordentlich gut – hadert im “Fuor del mar” mit den Koloraturen und kann letztlich nicht die nötige Power aufbieten. Erst im zweiten Akt gewinnt die ansonsten schön anzuhörende, helle Stimme an Durchschlagskraft. Cornelia Ptassek, bei der man angesichts ihren respektablen Darstellungen von Elsa und Salome einen Mozart schon längst hinter sich wähnte, hat man mit der Elettra keinen großen Gefallen getan. Ihr “D’Oreste, d’Ajace” vermittelt wenig von den Seelenqualen ihres Charakters. Die bereits erwähnte positive Ausnahme stellte dann Eunjun Kwon dar. Ihre Ilia ist trotz relativ großer Stimme voller Wärme und berührt eigentlich als einzige, insbesondere bei den “Zeffiretti lusinghieri”.

Unterm Strich eine repertoiretaugliche, da unverbindliche Inszenierung, die leider nicht mit Straßburg mithalten kann. Man darf auf die Umbesetzungen in der nächsten Spielzeit gespannt sein. Mal schauen (und hören), ob sich die einzelnen Teile besser zu einem Ganzen fügen wollen.

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